AboUntergang der Credit Suisse
Rohner hatte schon die Hypotheken verpfändet
Neue Gerichtsdokumente zeigen, wie die CS auf Pump ihre Boni zahlte – und dafür die Schweizer Hypotheken verkaufte.
- Die CS verpfändete ihre Schweizer Hypothekarkredite heimlich an eine Offshore-Gesellschaft.
- Trotz anhaltender Geldnöte zahlte die CS weiterhin Dividenden und Boni aus.
- Ein kritischer Finma-Brief warnte vor mangelndem Reformwillen des Managements.
- Die drohende Rating-Herabstufung hätte das Schweizer Hypothekengeschäft verunmöglicht.
Am Zürcher Handelsgericht geht es vorwärts beim Rechtsstreit zwischen ehemaligen CS-Aktionären und der UBS. Soeben haben die Anwälte der UBS ihre zweite Antwort (Duplik) eingereicht. Mit dem Schreiben kamen auch bisher unbekannte Dokumente ans Tageslicht, die Einsicht geben in die Geschäftsführung der zweitgrössten Schweizer Bank in den letzten Jahren vor ihrem Untergang. Daraus geht hervor, dass die CS-Führung Urs Rohner/ Tidjane Thiam insgeheim das Hypothekengeschäft an einen Investor verpfändet hat.
Die CS war schon 2015 klamm
Wie kam es dazu? Die Credit Suisse war bereits seit 2015 in einer schwierigen Situation. Nach schweren Verlusten in der Investmentbank kündigte der neue CEO Tidjane Thiam im Oktober 2015 eine umfassende Strategieüberprüfung an, die auch eine Stärkung der Kapitalbasis vorsah. Im Zuge dieser Ankündigung führte er eine Kapitalerhöhung von rund 6 Milliarden Franken durch. Zudem erhoffte er sich viel Kapital und Liquidität dank des geplanten Börsengangs der CS-Schweiz. Dieser war allerdings nicht durchführbar und wurde abgeblasen. Angeblich, weil es der CS wieder besser ging.
In Tat und Wahrheit verpfändete aber die CS ihre wichtigsten Aktiven, nämlich die Hypothekarkredite in der Schweiz. Im Rahmen dieses Programms wurden Hypothekarkredite von der Credit Suisse (Schweiz) AG insgeheim in ein Zweckunternehmen, die Credit Suisse Hypotheken AG in Guernsey, übertragen. Diese Gesellschaft diente dann als Sicherheit für die Geldgeber, wohl vorwiegend Hedgefunds.
Um wie viel es da genau ging, geht aus dem Gerichtsdokument nicht hervor, allerdings zeigt ein Eintrag auf der Homburger-Webseite, dass deren Anwälte 2020 bei der internen Transferierung von solchen Anleihen in der Höhe von 10,4 Milliarden Dollar zur Gruppengesellschaft halfen. Total hatte die CS Schweiz Hypothekarkredite von etwa 50 Milliarden Franken ausstehend. Weil die CS Gruppe trotz der Hypothekentransaktion noch nicht genug Geld hatte, kam es dann 2017 zu einer weiteren Kapitalerhöhung von 4 Milliarden Franken.
Dividenden und Boni auf Pump
Das Problem der CS-Gruppe war, dass die Holdinggesellschaft ständig in Geldnöten war. Sie musste einen Teil der Boni zahlen und wollte Dividenden für die Aktionäre ausschütten und Aktienrückkaufprogramme durchführen. Alles, damit der Aktienkurs endlich wieder stieg. Doch leider machten die Tochtergesellschaften immer wieder Verlust, sodass sie ihrer Muttergesellschaft keine Dividenden auszahlen konnte, darum kam die in Geldnot.
Im Herbst 2022 und den darauf folgenden Monaten verlor die CS Kundengelder in der Höhe von fast 140 Milliarden Franken. Als es dann im März 2023 knapp wurde, weil noch mehr Kunden ihr Geld abzogen, meldeten sich die Ratingagenturen. Der CS drohte die Herabstufung auf den «Junk-Status». Das hätte massive Konsequenzen gehabt, denn viele Anleihen hatte Klauseln, die in so einem Moment die Rückzahlung erfordert hätten. Die CS-Gruppe wäre also zusammengeklappt. Doch nicht nur die, auch das Schweizer Geschäft wäre wohl zusammengebrochen. Darum versuchte die CS-Führung alles, um wenigstens zu verhindern, dass die Ratingagenturen vor dem Sonntag, 19. März 2023 ihre Berichte veröffentlichten.
Schweizer Geschäft wäre ruiniert gewesen
Die Veröffentlichung der geplanten Herabstufung des Ratings vor dem Wochenende hätte in der Schweiz verheerende Folgen gehabt. Die Credit Suisse (Schweiz) AG hätte ihr Hypothekengeschäft kaum mehr weiterführen können, schreiben die Anwälte der UBS. Der Grund war das geheime Hypotheken-Finanzierungsprogramm. Laut Vertrag musste das Zweckunternehmen die Hypothekenkunden informieren, falls das kurzfristige Rating der Agentur Fitch unter die Stufe «F2» fällt. Hätte Fitch also das Downgrading tatsächlich veröffentlicht, hätte das Zweckunternehmen allen betroffenen Kundinnen und Kunden mitteilen müssen, dass sie ihre Zahlungen künftig nicht mehr an die Credit Suisse (Schweiz) AG, sondern direkt an das Zweckunternehmen leisten müssen.
Eine solche Mitteilung hätte natürlich die ohnehin schon grosse Verunsicherung rund um die CS bei den Kundinnen und Kunden und am Markt noch einmal deutlich verschärft. Das hätte den Abzug von Geldern zusätzlich beschleunigt und vor allem das für die Bank zentrale Hypothekengeschäft der Credit Suisse (Schweiz) AG schwer getroffen. Viele Kundinnen und Kunden hätten wohl versucht, ihre Hypotheken so schnell wie möglich zu einer anderen Bank zu übertragen. Damit wäre es kaum noch möglich gewesen, das Hypothekengeschäft weiterzuführen – neue Hypothekenverträge wären praktisch ausgeschlossen gewesen.
Aktionäre sollen froh sein, nicht leer ausgegangen zu sein
Die UBS kommt darum in ihrer Duplik zum Schluss, die ehemaligen CS-Aktionäre hätten nicht zu klagen, dass sie für ihre Aktien kaum mehr etwas bekommen haben. Im Gegenteil, sie sollten dankbar sein dafür, dass sie für 22,48 Credit-Suisse-Aktien überhaupt noch eine UBS-Aktie bekommen hätten.
Das wird die Aktionäre kaum überzeugen, darum dürfte das Verfahren weitergehen. Ebenfalls noch hängig ist ein Verfahren am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Dabei geht es um die Kategorie von Obligationären, die bei der Fusion 16 Milliarden Franken verloren haben, weil die Finma ihre Papiere für wertlos erklärt hatte. Beim dortigen Verfahren ist die Finma im Visier der Kläger. Kommen diese durch, dann muss der Bund zahlen.
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