AboTraum vom Wohneigentum
Die Boomer werden nicht aus ihren Häusern ausziehen
Es war die Hoffnung vieler Junger. Doch eine neue Studie zeigt: Entgegen den Erwartungen verkaufen ältere Schweizer ihre Häuser nicht. Die Lage auf dem Immobilienmarkt bleibt angespannt.
- Laut Raiffeisen-Studie werden Babyboomer ihre Eigenheime entgegen bisheriger Erwartungen nicht verkaufen.
- Nur 1,5 Prozent der Rentnerinnen und Rentner mit Eigenheim ziehen jährlich um.
- Hohe Nachfrage nach Wohneigentum verhindert künftig substanzielle Preissenkungen am Immobilienmarkt.
Wer jung ist und hofft, sich bald ein Eigenheim leisten zu können, sollte den neuen Immobilienbericht der Raiffeisenbank nicht lesen. Denn dieser ist ziemlich deprimierend. Zumindest für all jene, die nicht zu den finanziell Bessergestellten des Landes gehören.
Die Studie hat die weitverbreitete Meinung untersucht, wonach in den nächsten Jahren viele Babyboomer altersbedingt aus ihren Häusern und Wohnungen ziehen werden. Dadurch würden sehr viele Eigenheime auf den Markt kommen und diese dadurch günstiger werden. Schätzungen aus dem Jahr 2022 gehen davon aus, dass rund 40 Prozent aller Eigenheime Personen gehören, die zwischen 1946 und 1964 auf die Welt kamen. Mit zunehmendem Alter würden diese ihre Wohnungen und Häuser nun verkaufen, weil sie den Platz nicht mehr benötigten oder diese zum Beispiel nicht rollstuhlgängig seien.
Die These war bisher ein Hoffnungsschimmer für all diejenigen, die von den eigenen vier Wänden träumen, sich das bei den heutigen Preisen jedoch nicht leisten können.
Rentnerinnen und Rentner ziehen nur sehr selten um
Die Experten der Bank erteilen der Theorie nun jedoch eine herbe Absage. Nichts deute darauf hin, dass die Babyboomer in den nächsten Jahren ihre Wohnungen freigeben werden. So zeigen die Zahlen, dass Rentnerinnen und Rentner generell nur sehr selten umziehen. Besitzen sie ein Eigenheim, ist die Umzugsquote noch einmal um einiges kleiner, als wenn sie zur Miete wohnen. Pro Jahr ziehen nur 1,5 Prozent von ihnen um.
Die Theorie, dass den älteren Personen ihre Einfamilienhäuser irgendwann zu gross werden und sie deshalb ausziehen, scheint also nicht zuzutreffen. Das passt auch zu einer anderen Zahl: In mehr als der Hälfte aller Einfamilienhäuser der Schweiz leben gemäss Bundesamt für Statistik nur eine oder zwei Personen.
Fredy Hasenmaile überrascht das nicht. «Es kommt auf dem aktuellen Markt kaum günstiger, in eine kleinere Wohnung umzuziehen», sagt der Chefökonom der Raiffeisen-Bank. Dazu komme, dass besonders ältere Personen sehr an ihrem Zuhause hingen. «Mit 80 Jahren wollen viele keine grossen Veränderungen mehr.» Auch wenn manchen bewusst sei, dass andere Personen den Wohnraum vielleicht besser brauchen könnten, sei das für die wenigsten ein Grund, die vertrauten vier Wände zu verlassen.
Die Auswertung der Raiffeisen von Zahlen des Bundes zeigt dann auch, dass je älter die Schweizerinnen und Schweizer sind, desto zufriedener sie mit ihrer Wohnsituation sind. Dies trifft besonders auf diejenigen mit Wohneigentum zu. Sie sind in jeder Altersklasse zufriedener als die Mieter.
Ein Missverständnis der Statistik
Dass sich die Theorie der ausziehenden Babyboomer so hartnäckig hält, hängt wohl mit einer falsch interpretierten Statistik zusammen. Das vermutet zumindest Hasenmaile. Schaut man sich die Wohneigentumsquote der verschiedenen Alterskategorien an, dann hat diese ihren Peak bei den 65- bis 75-Jährigen und nimmt danach rapide ab. «Das liegt jedoch nicht daran, dass die Leute dann ihre Wohnungen verkaufen», sagt der Ökonom. Vielmehr hätten viele der heute 80-Jährigen im Unterschied zu den nachrückenden Babyboomern gar nie Wohneigentum besessen.
Beobachte man die Zahlen über die Zeit, zeige sich, dass in den letzten fünf Jahren nur sehr wenige der 70- bis 79-Jährigen ihr Haus verkauft hätten, schreiben die Studienautoren. Bei den über 80-Jährigen zeigen die Zahlen sogar eine leichte Zunahme der Wohneigentumsquote. Die Zahlen legten – überspitzt gesagt – nahe, dass «nur der Tod oder der Gang in ein Alters- und Pflegeheim den typischen Wohneigentümer von seinem geliebten Eigenheim trennen».
Für heutige Mieter mit Eigenheim-Wunsch bedeutet das, dass sie noch eine ganze Weile warten müssen, bis die Wohnungen und Häuser der geburtenstarken Jahrgänge auf den Markt kommen werden. Die Preise dürften aber auch dann nicht substanziell fallen. Die Experten der Raiffeisen gehen davon aus, dass in Zukunft die Nachfrage nach Wohneigentum sehr gross bleiben wird, insbesondere in Anbetracht der hohen Miete.
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