Hypothekar-Zinssätze reagieren
Wie Schweizer Hausbesitzer von Trumps Zollhammer profitieren
Die Strafzölle aus den USA lassen in der Schweiz die Hypothekenzinsen purzeln. Warum jetzt ein günstiger Moment für Hausbesitzer ist.
- Aufgrund der hohen US-Zölle rechnet der Markt derzeit mit Leitzinssenkungen.
- Die Erwartung führt zu einer Senkung von Zinssätzen bei längerfristigen Hypotheken.
- Hypotheken mit einer zehnjährigen Laufzeit werden derzeit mit Zinssätzen von durchschnittlich 1,75 Prozent angeboten.
- Nach Einschätzung eines Experten wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um eine längerfristige Hypothek abzuschliessen.
Die Zinssätze für längerfristige Hypotheken reagieren auf die hohen US-Zölle. Für zehnjährige Festhypotheken sanken sie gemäss einer Auswertung der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» innerhalb der vergangenen zwei Wochen um durchschnittlich 0,05 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent. Die Hypothekenvermittlerin hypotheke.ch kommt auf ein Minus von 0,09 Prozentpunkten. «Das ist viel für diese kurze Zeitspanne», sagt Florian Schubiger, Geschäftsführer von hypotheke.ch. Es sei derzeit möglich, eine zehnjährige Fremdfinanzierung für 1,4 Prozent abzuschliessen, erläutert er.
Warum gibt es einen Zusammenhang zu den US-Zöllen?
Die hohen Zölle von 39 Prozent treffen die Schweizer Exportwirtschaft. Eine schwächere Wirtschaft dürfte dazu führen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) früher oder später Gegensteuer gibt. Dabei würde ein schwächerer Franken helfen. Ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, wären Devisenkäufe. Doch diese sind heikel, da die USA sie als «Kursmanipulation» werten könnten. Sie haben die Schweiz deswegen bereits auf eine Monitoring-Liste gesetzt. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass die SNB bei einer Abschwächung der Wirtschaft den Leitzins weiter senkt. Das widerspiegelt sich aktuell in sinkenden Zinssätzen für längerfristige Hypotheken.
Warum bleibt der Saron unverändert?
Der SNB-Leitzins wirkt sich direkt nur auf den Saron aus, den Referenzzinssatz, der auf dem Geldmarkt verwendet wird. Bei längerfristigen Hypotheken steigen oder sinken die Zinssätze einzig aufgrund von Erwartungen, die sich jederzeit ändern können. Das ist auch jetzt der Fall: Aufgrund aktueller Erwartungen sinken insbesondere die Sätze für längerfristige Wohneigentumsfinanzierungen.
Die aktuelle Entwicklung hat sich bereits seit einigen Wochen bei den Swap-Zinssätzen abgezeichnet. Swap-Sätze entstehen direkt am Markt. Sie geben an, zu welchen Kosten sich Banken langfristig refinanzieren können. Sind die Swap-Sätze tief, können Banken auch Hypotheken zu tieferen Zinsen anbieten. Sie sind quasi das Fundament, auf dem die Banken ihre Margen aufschlagen, um am Ende den Zins für eine Festhypothek zu berechnen.
Was sollten Hausbesitzer jetzt tun?
Die aktuelle Zinssituation bietet laut Schubiger eine gute Gelegenheit, sich langfristig günstige Konditionen zu sichern: «Wer jetzt eine gewisse Sicherheit sucht und eine längere Laufzeit plant, sollte den Sack zumachen.» In den vergangenen Tagen sei es vermehrt zu Abschlüssen gekommen.
Wer etwa eine zehnjährige Hypothek zu 1,4 Prozent abschliessen kann, ist nicht mehr weit von Saron-Hypotheken entfernt, die bei den öffentlich publizierten Zinsen der Bankinstitute bei durchschnittlich 1,16 Prozent liegen. Für vergleichsweise wenig Aufpreis erhalten Hausbesitzer so über viele Jahre Planungssicherheit. Zudem dürfte beim Saron die unterste Grenze weitgehend erreicht sein. Denn die 1,16 Prozent entsprechen der üblichen Marge, die eine Bank immer verrechnet. Selbst wenn der Leitzins unter null fällt, gehen Finanzinstitute beim Margenzuschlag weiterhin von null aus, wie Schubiger erläutert.
Wie geht es weiter?
Schubiger schliesst zwar nicht aus, dass die Zinssätze für längerfristige Hypotheken noch tiefer fallen. Dass eine zehnjährige Hypothek wieder unter die 1-Prozent-Marke sinkt, hält er jedoch für unwahrscheinlich: «Dafür müsste noch sehr viel passieren.» Denkbar wäre dies etwa, wenn der Leitzins über längere Zeit tief ins Minus rutscht und Pensionskassen sowie Anlagestiftungen ihre flüssigen Mittel zunehmend zu attraktiven Konditionen anbieten.
Gleichzeitig bestehe aber eine «recht grosse Wahrscheinlichkeit», dass die Zinsen wieder anstiegen, da die Entwicklung von vielen schwer voraussehbaren Faktoren abhänge, meint Schubiger. Trotz diverser Unwägbarkeiten können also derzeit längerfristige Hypotheken zu vergleichsweise günstigen Konditionen abgeschlossen werden.
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