Fasse den folgenden Artikel auf Deutsch in maximal 120 Wörtern zusammen.
Fokus: Wirtschaft, Finanzen, Banken, Hypotheken und Märkte.
Nutze einen professionellen, sachlich-analytischen Ton, ohne Wertung, keine Bilder, keine Emojis, kein HTML.
Nenne, falls vorhanden, wichtige Zahlen, Entwicklungen oder Zitate kurz.
TEXT:
Interview mit Ökonomin Melanie Rama
«Rezessionsgefahr für die Schweiz ist gebannt»
Die Chefökonomin von Baloise Asset Management sagt, dass in der Schweiz die Zinsen – auch die Hypozinsen – niedrig bleiben.
«Die Bewertungen der Immobilienfonds sind deutlich gestiegen, das Agio als Aufschlag gegenüber dem Nettoinventarwert hat zugenommen», sagt Melanie Rama, Chefökonomin von Baloise Asset Management in Basel.
Bild: ZVG
Das Potenzial der Infrastrukturpläne in Deutschland sei sehr gross, sagt Melanie Rama, Chefökonomin von Baloise Asset Management, aber «es besteht ein Umsetzungsrisiko». Der erhoffte baldige Investitionsboom, der auch der Schweizer Industrie zugutekäme, könnte verzögert werden. Von der Nationalbank erwartet sie zumindest vorläufig keine Negativzinsen.
Frau Rama, die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal geschrumpft. Hilft nun die Reduktion des US-Zolls von 39 auf 15%?
Ein bleibender Zoll von 39% war das grösste Risiko für die Industrie. Mit 15% ist jetzt die Rezessionsgefahr für die Schweiz gebannt. Allerdings bleibt das Risiko von sektoriellen Zöllen gegen die Pharmaindustrie.
Auch ohne Rezessionsgefahr scheint die Industrie in einer schwierigen Lage zu sein.
Wir sehen eine geteilte Wirtschaft, eine Divergenz. Der Dienstleistungssektor wächst. Die Industrie hingegen befindet sich in einer Stagnation oder regional auch in einer Rezession. Sie leidet bereits seit 2023, das zeigt sich in den regelmässigen Einkaufsmanagerumfragen, den PMI. Und dies gilt international, wie ein exportgewichteter PMI für 27 Länder zeigt, den die SNB regelmässig publiziert. Damit ist die Nachfrage der ausländischen Industrie für Schweizer Zulieferer schwach.
Das Schweizer Wirtschaftswachstum stammt also von den Dienstleistern?
Das Gewicht der Dienstleistungsunternehmen in der Wirtschaft ist grösser, und sie haben in den letzten Jahren die Schwäche der Industrie kompensiert. Das spiegelt das Kof-Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, das besser ausfällt als der Industrie-PMI.
Hilft der Schweizer Industrie künftig der Infrastruktur- und Rüstungsboom in Europa?
Das Potenzial der angekündigten Massnahmen ist sehr gross. In Deutschland beträgt das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimamassnahmen für die kommenden zwölf Jahre insgesamt 500 Mrd. €, das sind fast 12% des BIP. Dazu kommen steigende Verteidigungsausgaben, wobei Infrastrukturausgaben der Wirtschaft mehr Schwung verleihen. Dies könnte zu einer Wiederbelebung der deutschen Industrie führen. Die damit steigende Nachfrage in Deutschland könnte einen positiven Einfluss auf die Schweizer Zulieferer und auf die gesamte hiesige Wirtschaft haben.
Sie sagen «könnte» statt «wird» – sind Sie skeptisch?
Wir gehen davon aus, dass dieser Impuls kommt. Es besteht jedoch ein Umsetzungsrisiko. Wie schnell fliesst das Geld? Fliesst es dort hin, wo es sollte? Es kursieren Berichte, wonach nun doch nicht die ganzen 500 Mrd. € für die Infrastruktur vorgesehen sind, sondern ein Teil davon für andere Ausgaben verwendet werden soll.
Wird der Impuls in Deutschland verwässert?
Aus dem erhofften baldigen Wachstumsschub könnte eine längerfristige Wachstumsstütze werden. Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland ist allerdings ein Regimewechsel in der Fiskalpolitik. Das ist ein wichtiges Signal der Regierung, sie will nach vier Jahren Stagnation und Rezession die Wirtschaft ankurbeln. Im Privatsektor gibt es zudem die Made-in-Germany-Initiative von über hundert Unternehmen, die bis 2028 insgesamt 700 Mrd. € in Forschung und Entwicklung investieren wollen. Auch das ist ein massiver Impuls, das Potenzial ist riesig.
«Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland ist ein Regimewechsel.»
Kommt also über kurz oder lang in Deutschland und Europa ein Wirtschaftsboom?
Es könnte sehr wohl einen Investitionsboom geben. Eine Belastung für die europäische Industrie sind dagegen die hohen Energiepreise. Erdgas kostet immer noch doppelt so viel wie vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine, der Preis hat sich nicht normalisiert. Wenn sich jedoch die Dynamik in Europa aufhellt, wäre das für die Schweizer Wirtschaft ein Lichtblick.
In der Schweiz ist das Zinsniveau niedriger als im Ausland. Bleibt das so?
Wir gehen davon aus, dass das Tiefzinsumfeld in der Schweiz bestehen bleibt. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen der Eidgenossenschaft war jüngst nahe null. Wir erwarten, dass sie über null bleibt und ein wenig steigen wird. Im Ausland sind die Zinsen deutlich höher, und diese Zinsdifferenz bleibt. Ein Grund ist die Inflation, die in der Schweiz deutlich niedriger ist, ebenso die Staatsverschuldung, die in anderen Ländern ja zunimmt. Bei Zinsen und Schulden entkoppelt sich die Schweiz vom Ausland.
Bleiben in der Schweiz auch die Hypothekarzinsen niedrig?
Ja, wir erwarten eine Seitwärtsbewegung. Wir sehen kein grosses Risiko für einen massiven Anstieg der Hypothekarzinsen – dafür ist die Inflation viel zu tief.
«Wir sehen kein grosses Risiko für einen massiven Anstieg der Hypothekarzinsen.»
Wird die Schweizerische Nationalbank den Leitzins bald ins Negative herabsetzen?
Wir erwarten keine Negativzinsen, und auch der Markt erwartet dies nicht mehr. SNB-Präsident Martin Schlegel hat klar gesagt, die Hürde für Negativzinsen sei hoch.
Diese oft genannte «Hürde» schliesst Negativzinsen praktisch aus. Ist das aus SNB-Sicht sinnvoll?
Martin Schlegel hat auch betont, dass Negativzinsen weiterhin ein Teil des geldpolitischen Instrumentariums sind. Wenn sich das Umfeld ändert, wird sich auch die Tonlage der SNB ändern. Grundsätzlich ist mit Negativzinsen künftig durchaus zu rechnen. Für die SNB ist es immer ein Abwägen, derzeit sieht sie davon ab.
Wenn der Franken weiter steigt, bleibt also nur noch die Intervention am Devisenmarkt?
Der Franken hat sich dieses Jahr zum Euro 1% aufgewertet, das ist sehr moderat. Zum Dollar sind es 11%, aber das ist keine Frankenstärke, sondern eine breite Dollarschwäche. Die SNB hat auch dieses Jahr am Devisenmarkt interveniert, im zweiten Quartal mit 5 Mrd. Fr. – im April bei der Verkündung der US-Zölle zeigte sich vorübergehend die Eigenschaft des Frankens als sicherer Hafen. Deviseninterventionen bleiben ein Instrument der SNB.
Ist das nicht riskant? Die USA haben die Schweiz im Juni erneut auf die Verdachtsliste der Währungsmanipulatoren gesetzt.
Im September haben die SNB, das Eidgenössische Finanzdepartement und das US-Finanzministerium eine Erklärung veröffentlicht. Dort steht, dass beide Länder Wechselkurse nicht dazu nutzen, einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Und es wird bestätigt, dass Deviseninterventionen ein wichtiges geldpolitisches Instrument für die SNB sind, um ihr Mandat der Preisstabilität erfüllen zu können. Vor dieser Einigung hatte es intensive Gespräche gegeben zwischen der Schweiz und den USA. Die Frage bleibt, ob die Vereinbarungen in dieser Erklärung auch an oberster Stelle im Weissen Haus angekommen sind.
Wird die US-Notenbank den Leitzins weiter herabsetzen?
Im Fed sind die Meinungen geteilt. Am Arbeitsmarkt zeigen sich Schwächen. Anderseits ist die Inflation mit 3% deutlich über dem Ziel von 2%, und die Zölle könnten sie noch anheizen. Sichtbar ist bislang, dass die Zölle die Inflation erhöht haben. Der Effekt ist insgesamt nicht gross, aber in gewissen Gütern wie Möbeln und Autos deutlich sichtbar. Die weitere Tendenz der Inflation zeigt nach oben. Fed-Präsident Jerome Powell hat in den vergangenen Monaten allerdings vermehrt auf den schwachen Arbeitsmarkt fokussiert, und für Dezember erwartet der Markt eher eine Zinssenkung.
Das Weisse Haus wünscht eine gefügige Notenbank, die die Zinsen zügig senkt.
Das schöne an Geldpolitik und Volkswirtschaftslehre ist: Es ist keine harte Wissenschaft, man kann Daten unterschiedlich interpretieren und entsprechend argumentieren. Doch der politische Druck für Zinssenkungen ist da, und das grösste Risiko besteht darin, dass das Fed an Glaubwürdigkeit einbüsst. Damit käme es in eine schwierige Situation. Die Hoffnung ist, dass sich die erfahrenen Mitglieder im Entscheidungsgremium durchsetzen.
Da sich der Franken längerfristig wohl weiter aufwertet: Sollten Anleger auf ausländische Aktien verzichten?
Ein gewisser Home Bias ist aufgrund der Währungssituation sinnvoll, und nicht alle Anleger wollen das Wechselkursrisiko eingehen. Wenn man allerdings nur in Schweizer Aktien investiert, geht damit eine bestimmte Sektorallokation einher, dessen muss man sich bewusst sein. Im breiten Schweizer Aktienmarkt ist das Gewicht der Pharmatitel gross und das der Technologievaloren klein. Man verpasst also beispielsweise einen Grossteil des KI-Trends. Deshalb ist internationale Diversifikation sinnvoll.
«Ein gewisser Home Bias ist aufgrund der Währungssituation sinnvoll.»
Ist es für Anleger zu teuer, das Wechselkursrisiko fortwährend abzusichern?
Da gilt es abzuwägen. Als langfristiger institutioneller Investor sichern wir das Währungsrisiko für ausländische Obligationen mehrheitlich ab. Der im Vergleich zur Schweiz deutlich höhere Zinsertrag von Obligationen in Europa und den USA wird für die Absicherungskosten aufgebraucht, somit ist die Rendite ausländischer Obligationen mit Wechselkursabsicherung ähnlich wie bei «Eidgenossen». Obligationen können auch für Privatanleger interessant sein. Dort haben sie im Tiefzinsumfeld im Portfolio weniger die Rolle eines Renditetreibers, sondern eher des Stabilitätsankers, und damit ist eine Währungsabsicherung sinnvoll.
Im Nullzinsumfeld sind Immobilien wohl eine besonders gefragte Anlage?
Ja, diesen Trend haben wir in den vergangenen Monaten gesehen. Auch haben zahlreiche Immobilienfonds dieses Jahr eine Kapitalerhöhung durchgeführt, und die Nachfrage der Anleger war sehr gross. Die Ausschüttungsquote ist mit durchschnittlich 2,3% attraktiv. Die Bewertungen der Immobilienfonds sind aber deutlich gestiegen, das Agio als Aufschlag gegenüber dem Nettoinventarwert hat zugenommen.
Wo liegt Ihr Fokus am Aktienmarkt, auch angesichts des Booms der KI-Titel?
Wir haben seit ein paar Monaten im global diversifizierten Aktienportfolio eine Präferenz für Schwellenländer. Ein Grund dafür ist die vergleichsweise günstige Bewertung, und sie haben vom sinkenden Dollar profitiert. Auch in Europa sind die Bewertungen attraktiver als in den USA. Die Schweiz bietet gute Qualität und eine attraktive Dividendenrendite, um sich etwas defensiver zu positionieren. Wichtig ist eine breite weltweite Diversifikation.
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Interview mit Ökonomin Melanie Rama
«Rezessionsgefahr für die Schweiz ist gebannt»
Die Chefökonomin von Baloise Asset Management sagt, dass in der Schweiz die Zinsen – auch die Hypozinsen – niedrig bleiben.
«Die Bewertungen der Immobilienfonds sind deutlich gestiegen, das Agio als Aufschlag gegenüber dem Nettoinventarwert hat zugenommen», sagt Melanie Rama, Chefökonomin von Baloise Asset Management in Basel.
Bild: ZVG
Das Potenzial der Infrastrukturpläne in Deutschland sei sehr gross, sagt Melanie Rama, Chefökonomin von Baloise Asset Management, aber «es besteht ein Umsetzungsrisiko». Der erhoffte baldige Investitionsboom, der auch der Schweizer Industrie zugutekäme, könnte verzögert werden. Von der Nationalbank erwartet sie zumindest vorläufig keine Negativzinsen.
Frau Rama, die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal geschrumpft. Hilft nun die Reduktion des US-Zolls von 39 auf 15%?
Ein bleibender Zoll von 39% war das grösste Risiko für die Industrie. Mit 15% ist jetzt die Rezessionsgefahr für die Schweiz gebannt. Allerdings bleibt das Risiko von sektoriellen Zöllen gegen die Pharmaindustrie.
Auch ohne Rezessionsgefahr scheint die Industrie in einer schwierigen Lage zu sein.
Wir sehen eine geteilte Wirtschaft, eine Divergenz. Der Dienstleistungssektor wächst. Die Industrie hingegen befindet sich in einer Stagnation oder regional auch in einer Rezession. Sie leidet bereits seit 2023, das zeigt sich in den regelmässigen Einkaufsmanagerumfragen, den PMI. Und dies gilt international, wie ein exportgewichteter PMI für 27 Länder zeigt, den die SNB regelmässig publiziert. Damit ist die Nachfrage der ausländischen Industrie für Schweizer Zulieferer schwach.
Das Schweizer Wirtschaftswachstum stammt also von den Dienstleistern?
Das Gewicht der Dienstleistungsunternehmen in der Wirtschaft ist grösser, und sie haben in den letzten Jahren die Schwäche der Industrie kompensiert. Das spiegelt das Kof-Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, das besser ausfällt als der Industrie-PMI.
Hilft der Schweizer Industrie künftig der Infrastruktur- und Rüstungsboom in Europa?
Das Potenzial der angekündigten Massnahmen ist sehr gross. In Deutschland beträgt das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimamassnahmen für die kommenden zwölf Jahre insgesamt 500 Mrd. €, das sind fast 12% des BIP. Dazu kommen steigende Verteidigungsausgaben, wobei Infrastrukturausgaben der Wirtschaft mehr Schwung verleihen. Dies könnte zu einer Wiederbelebung der deutschen Industrie führen. Die damit steigende Nachfrage in Deutschland könnte einen positiven Einfluss auf die Schweizer Zulieferer und auf die gesamte hiesige Wirtschaft haben.
Sie sagen «könnte» statt «wird» – sind Sie skeptisch?
Wir gehen davon aus, dass dieser Impuls kommt. Es besteht jedoch ein Umsetzungsrisiko. Wie schnell fliesst das Geld? Fliesst es dort hin, wo es sollte? Es kursieren Berichte, wonach nun doch nicht die ganzen 500 Mrd. € für die Infrastruktur vorgesehen sind, sondern ein Teil davon für andere Ausgaben verwendet werden soll.
Wird der Impuls in Deutschland verwässert?
Aus dem erhofften baldigen Wachstumsschub könnte eine längerfristige Wachstumsstütze werden. Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland ist allerdings ein Regimewechsel in der Fiskalpolitik. Das ist ein wichtiges Signal der Regierung, sie will nach vier Jahren Stagnation und Rezession die Wirtschaft ankurbeln. Im Privatsektor gibt es zudem die Made-in-Germany-Initiative von über hundert Unternehmen, die bis 2028 insgesamt 700 Mrd. € in Forschung und Entwicklung investieren wollen. Auch das ist ein massiver Impuls, das Potenzial ist riesig.
«Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland ist ein Regimewechsel.»
Kommt also über kurz oder lang in Deutschland und Europa ein Wirtschaftsboom?
Es könnte sehr wohl einen Investitionsboom geben. Eine Belastung für die europäische Industrie sind dagegen die hohen Energiepreise. Erdgas kostet immer noch doppelt so viel wie vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine, der Preis hat sich nicht normalisiert. Wenn sich jedoch die Dynamik in Europa aufhellt, wäre das für die Schweizer Wirtschaft ein Lichtblick.
In der Schweiz ist das Zinsniveau niedriger als im Ausland. Bleibt das so?
Wir gehen davon aus, dass das Tiefzinsumfeld in der Schweiz bestehen bleibt. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen der Eidgenossenschaft war jüngst nahe null. Wir erwarten, dass sie über null bleibt und ein wenig steigen wird. Im Ausland sind die Zinsen deutlich höher, und diese Zinsdifferenz bleibt. Ein Grund ist die Inflation, die in der Schweiz deutlich niedriger ist, ebenso die Staatsverschuldung, die in anderen Ländern ja zunimmt. Bei Zinsen und Schulden entkoppelt sich die Schweiz vom Ausland.
Bleiben in der Schweiz auch die Hypothekarzinsen niedrig?
Ja, wir erwarten eine Seitwärtsbewegung. Wir sehen kein grosses Risiko für einen massiven Anstieg der Hypothekarzinsen – dafür ist die Inflation viel zu tief.
«Wir sehen kein grosses Risiko für einen massiven Anstieg der Hypothekarzinsen.»
Wird die Schweizerische Nationalbank den Leitzins bald ins Negative herabsetzen?
Wir erwarten keine Negativzinsen, und auch der Markt erwartet dies nicht mehr. SNB-Präsident Martin Schlegel hat klar gesagt, die Hürde für Negativzinsen sei hoch.
Diese oft genannte «Hürde» schliesst Negativzinsen praktisch aus. Ist das aus SNB-Sicht sinnvoll?
Martin Schlegel hat auch betont, dass Negativzinsen weiterhin ein Teil des geldpolitischen Instrumentariums sind. Wenn sich das Umfeld ändert, wird sich auch die Tonlage der SNB ändern. Grundsätzlich ist mit Negativzinsen künftig durchaus zu rechnen. Für die SNB ist es immer ein Abwägen, derzeit sieht sie davon ab.
Wenn der Franken weiter steigt, bleibt also nur noch die Intervention am Devisenmarkt?
Der Franken hat sich dieses Jahr zum Euro 1% aufgewertet, das ist sehr moderat. Zum Dollar sind es 11%, aber das ist keine Frankenstärke, sondern eine breite Dollarschwäche. Die SNB hat auch dieses Jahr am Devisenmarkt interveniert, im zweiten Quartal mit 5 Mrd. Fr. – im April bei der Verkündung der US-Zölle zeigte sich vorübergehend die Eigenschaft des Frankens als sicherer Hafen. Deviseninterventionen bleiben ein Instrument der SNB.
Ist das nicht riskant? Die USA haben die Schweiz im Juni erneut auf die Verdachtsliste der Währungsmanipulatoren gesetzt.
Im September haben die SNB, das Eidgenössische Finanzdepartement und das US-Finanzministerium eine Erklärung veröffentlicht. Dort steht, dass beide Länder Wechselkurse nicht dazu nutzen, einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Und es wird bestätigt, dass Deviseninterventionen ein wichtiges geldpolitisches Instrument für die SNB sind, um ihr Mandat der Preisstabilität erfüllen zu können. Vor dieser Einigung hatte es intensive Gespräche gegeben zwischen der Schweiz und den USA. Die Frage bleibt, ob die Vereinbarungen in dieser Erklärung auch an oberster Stelle im Weissen Haus angekommen sind.
Wird die US-Notenbank den Leitzins weiter herabsetzen?
Im Fed sind die Meinungen geteilt. Am Arbeitsmarkt zeigen sich Schwächen. Anderseits ist die Inflation mit 3% deutlich über dem Ziel von 2%, und die Zölle könnten sie noch anheizen. Sichtbar ist bislang, dass die Zölle die Inflation erhöht haben. Der Effekt ist insgesamt nicht gross, aber in gewissen Gütern wie Möbeln und Autos deutlich sichtbar. Die weitere Tendenz der Inflation zeigt nach oben. Fed-Präsident Jerome Powell hat in den vergangenen Monaten allerdings vermehrt auf den schwachen Arbeitsmarkt fokussiert, und für Dezember erwartet der Markt eher eine Zinssenkung.
Das Weisse Haus wünscht eine gefügige Notenbank, die die Zinsen zügig senkt.
Das schöne an Geldpolitik und Volkswirtschaftslehre ist: Es ist keine harte Wissenschaft, man kann Daten unterschiedlich interpretieren und entsprechend argumentieren. Doch der politische Druck für Zinssenkungen ist da, und das grösste Risiko besteht darin, dass das Fed an Glaubwürdigkeit einbüsst. Damit käme es in eine schwierige Situation. Die Hoffnung ist, dass sich die erfahrenen Mitglieder im Entscheidungsgremium durchsetzen.
Da sich der Franken längerfristig wohl weiter aufwertet: Sollten Anleger auf ausländische Aktien verzichten?
Ein gewisser Home Bias ist aufgrund der Währungssituation sinnvoll, und nicht alle Anleger wollen das Wechselkursrisiko eingehen. Wenn man allerdings nur in Schweizer Aktien investiert, geht damit eine bestimmte Sektorallokation einher, dessen muss man sich bewusst sein. Im breiten Schweizer Aktienmarkt ist das Gewicht der Pharmatitel gross und das der Technologievaloren klein. Man verpasst also beispielsweise einen Grossteil des KI-Trends. Deshalb ist internationale Diversifikation sinnvoll.
«Ein gewisser Home Bias ist aufgrund der Währungssituation sinnvoll.»
Ist es für Anleger zu teuer, das Wechselkursrisiko fortwährend abzusichern?
Da gilt es abzuwägen. Als langfristiger institutioneller Investor sichern wir das Währungsrisiko für ausländische Obligationen mehrheitlich ab. Der im Vergleich zur Schweiz deutlich höhere Zinsertrag von Obligationen in Europa und den USA wird für die Absicherungskosten aufgebraucht, somit ist die Rendite ausländischer Obligationen mit Wechselkursabsicherung ähnlich wie bei «Eidgenossen». Obligationen können auch für Privatanleger interessant sein. Dort haben sie im Tiefzinsumfeld im Portfolio weniger die Rolle eines Renditetreibers, sondern eher des Stabilitätsankers, und damit ist eine Währungsabsicherung sinnvoll.
Im Nullzinsumfeld sind Immobilien wohl eine besonders gefragte Anlage?
Ja, diesen Trend haben wir in den vergangenen Monaten gesehen. Auch haben zahlreiche Immobilienfonds dieses Jahr eine Kapitalerhöhung durchgeführt, und die Nachfrage der Anleger war sehr gross. Die Ausschüttungsquote ist mit durchschnittlich 2,3% attraktiv. Die Bewertungen der Immobilienfonds sind aber deutlich gestiegen, das Agio als Aufschlag gegenüber dem Nettoinventarwert hat zugenommen.
Wo liegt Ihr Fokus am Aktienmarkt, auch angesichts des Booms der KI-Titel?
Wir haben seit ein paar Monaten im global diversifizierten Aktienportfolio eine Präferenz für Schwellenländer. Ein Grund dafür ist die vergleichsweise günstige Bewertung, und sie haben vom sinkenden Dollar profitiert. Auch in Europa sind die Bewertungen attraktiver als in den USA. Die Schweiz bietet gute Qualität und eine attraktive Dividendenrendite, um sich etwas defensiver zu positionieren. Wichtig ist eine breite weltweite Diversifikation.
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Quelle: www.fuw.ch
