Wichtige Erkenntnisse
- Eine Rückkehr zu negativen Zinssätzen bleibt für 2026 unwahrscheinlich, sagen Ökonomen.
- Der starke Schweizer Franken führt dazu, dass importierte Waren günstiger werden, während die Inflation im Inland bei einem soliden Lohnwachstum stabil bleibt.
- Niedrige Hypothekenzinsen unterstützen den Schweizer Immobilienmarkt und die Nachfrage nach Krediten.
Trotz eines kürzlich unerwarteten Rückgangs der Inflation wird die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 11. Dezember voraussichtlich unverändert bei 0 % belassen. Die Terminmärkte preisen diesmal keine Zinssenkung ein, und auch für 2026 erwarten Ökonomen keine Rückkehr zu Negativzinsen.
Im November sanken die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,2 %, wodurch die jährliche Inflationsrate laut Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 3. Dezember auf 0 % zurückging. Niedrigere Hotelpreise, günstigere Pauschalreisen, sinkende Autopreise und rückläufige Gemüsepreise trugen zu diesem Rückgang der Inflation bei.
„Dies sind ausreichende Gründe für die SNB, ihre derzeitige Politik beizubehalten und die Zinsen bei ihrer Sitzung am 11. Dezember nicht weiter zu senken“, erklärt Karsten Junius, Chefökonom bei J. Safra Sarasin. David Kohl, Chefökonom bei Julius Bär, erklärt, die SNB halte sich „Negativzinsen für wirklich schwierige Zeiten vor“.
Die Einschätzung der Ökonomen spiegelt sich auch in den Swap-Märkten wider, die bis Herbst 2026 keine nennenswerten Zinssenkungen einpreisen. Eine Rückkehr in den negativen Bereich wird als äußerst unwahrscheinlich angesehen.
Die SNB überraschte die Märkte im März 2024 mit einer Zinssenkung. Sie war eine der ersten Zentralbanken, die ihren Leitzins senkte – und die erste große westliche Zentralbank, die diesen Schritt unternahm.
Die Inflationsdynamik in der Schweiz
Angesichts der jüngsten Inflationsdaten dürfte die SNB ihre Inflationsprognose für 2026 von 0,5 % auf 0,4 % nach unten korrigieren. „Wir sehen jedoch keine Notwendigkeit für die SNB, ihre mittelfristigen Inflationserwartungen zu revidieren“, so Junius.
Die aktuellen Inflationsdaten verdeutlichen eine strukturelle Kluft bei der Inflation in der Schweiz: Während die importierte Inflation voraussichtlich negativ bleiben wird, befindet sich die inländische Inflation, die rund 77 % des Warenkorbs ausmacht, weiterhin deutlich im positiven Bereich, so Junius.
Der Hauptgrund hierfür ist der starke Schweizer Franken, der im Vergleich zum Vorjahr nominal um rund 4,9 % und real um 1,9 % aufgewertet hat. Dies übt einen Abwärtsdruck auf die Preise importierter Güter aus und belastet sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreise.
Weltweit tragen auch niedrige Energiepreise und Überkapazitäten in der Industrie, insbesondere in China, dazu bei, den Preisdruck zu dämpfen. Für die SNB bleibt jedoch die Lohn- und Dienstleistungsdynamik in der Schweiz entscheidend.
Junius erwartet ein solides Lohnwachstum, das das Deflationsrisiko mittelfristig begrenzen wird: „Für die geldpolitische Entscheidung der SNB ist die Entwicklung der inländischen Löhne und Dienstleistungspreise von größerer Bedeutung. Die Lohnerhöhungen dürften weiterhin solide ausfallen, was unserer Ansicht nach das geringe Risiko einer deflationären Entwicklung auf mittlere Sicht unterstreicht.
„Wir sehen Anzeichen dafür, dass die expansive Politik der SNB zunehmend Wirkung zeigt. Das Kreditwachstum und die Preise für Immobilien beschleunigen sich, und Konjunkturumfragen lassen erste Anzeichen für eine Erholung in mehreren Sektoren und auf dem Arbeitsmarkt erkennen“, fügt er hinzu.
Dies bedeutet, dass die derzeitige Nullinflation kein Anzeichen für eine Deflation ist, sondern vielmehr Ausdruck eines Gleichgewichts zwischen importierten Preisrückgängen und stabilem inländischem Preisdruck. Der Ökonom von J. Safra Sarasin bezeichnet dies als ein entscheidendes Argument gegen weitere Zinssenkungen.
Wird die SNB in den Devisenmarkt eingreifen?
Offiziell bleibt die SNB bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Obwohl der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in letzter Zeit weitgehend stabil geblieben ist, hat er gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert gewonnen. Junius sagt, dies sei für die Zentralbank kein großes Problem: „Es ist wenig sinnvoll, den Schweizer Franken gegenüber einer bereits überbewerteten Währung wie dem Dollar weiter zu schwächen.“
Julius Bär-Experte Kohl äußert, dass die SNB eher in den Devisenmarkt eingreifen würde, als erneut Negativzinsen einzuführen. Darüber hinaus hat sich die Exportindustrie weitgehend an das Wechselkursniveau angepasst.
Hypotheken bleiben aufgrund niedriger Zinsen attraktiv
Im Jahr 2025 blieben die Schweizer Hypothekenzinsen über alle Laufzeiten hinweg günstig. Hypotheken mit dem Swiss Average Rate Overnight (SARON) profitieren von niedrigen Geldmarktzinsen, wobei der SARON derzeit bei -0,04 % liegt.
Gleichzeitig sind laut Zürcher Kantonalbank auch Festhypotheken günstiger geworden. Zehnjährige Laufzeiten werden derzeit zu rund 1,88 % angeboten, was sie für langfristige Immobilienkäufer attraktiv macht.
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