Die zweitgrösste Bankengruppe der Schweiz hat 2024 einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken erzielt. Nach Turbulenzen bei Leonteq schreibt sie 82,4 Millionen Franken auf ihre Beteiligung ab.
Zum Rekord hat es diesmal nicht gereicht. Raiffeisen Schweiz erzielt mit 1,2 Milliarden Franken den zweithöchsten Gewinn in der Geschichte der Bank. Als der Rekord im Vorjahr erzielt wurde, hat Raiffeisen sehr stark von den steigenden Zinsen profitiert. Wegen der Zinssenkungen der Nationalbank ist das Ergebnis jedoch bereits wieder zurückgegangen. 2024 waren es noch knapp 1,4 Milliarden Franken.
Ein Teil des Rückgangs ist auf die Leonteq-Beteiligung zurückzuführen. Raiffeisen hält knapp ein Drittel an dem Spezialisten für strukturierte Produkte. Die Beteiligung geht noch auf die Ära des Bankchefs Pierin Vincenz zurück. Nach Turbulenzen bei Leonteq und enttäuschenden Jahreszahlen des Struki-Spezialisten hat Raiffeisen 82,4 Millionen Franken daran abgeschrieben. Ihre Beteiligung hat sie noch mit etwas mehr als 108 Millionen Franken in den Büchern stehen. Der Wert orientiert sich am Börsenkurs von Leonteq zum Jahresende.
Beteiligung an Leonteq wird regelmässig überprüft
Ende Jahr schloss die Finanzmarktaufsicht (Finma) ein Verfahren gegen den Struki-Spezialisten ab und verfügte eine Gewinneinziehung von 9,3 Millionen Franken. Das Unternehmen habe «schwer gegen seine Risikomanagement-Pflichten sowie Gewährspflichten verstossen», schrieb die Finma damals.
«Gar nicht zufrieden» ist Raiffeisen mit der Entwicklung des Geschäfts und der Aktie von Leonteq. Das sagte Christian Poerschke, der die Bank interimistisch führt, gegenüber der NZZ. Auf die Frage nach einem möglichen Verkauf der Beteiligung antwortet der Bankchef ausweichend. Sämtliche Beteiligungen von Raiffeisen Schweiz würden regelmässig auf den Prüfstand gestellt.
Gemeinsam mit anderen Aktionären hat Raiffeisen als Letztes höhere Ausschüttungen von Leonteq gefordert. «Bei der Substanz, die im Unternehmen vorhanden ist, wollen wir mehr sehen», sagt Poerschke. Leonteq hat jüngst eine sehr gute Eigenkapitalausstattung von 800 Millionen Franken ausgewiesen.
Entscheidung über die App in naher Zukunft
Keine Abschreibungen macht Raiffeisen dagegen auf ihre eigenen IT-Projekte. Im Oktober hatte die Bank bei der Entwicklung ihrer eigenen App die Notbremse gezogen. Die bisherigen Kosten für die Entwicklung der App wurden gemäss Poerschke als Teil des Aufwands verbucht. Der laufende Strategiezyklus sieht Investitionen im Umfang von 500 Millionen Franken vor. 400 Millionen wurden bis Ende Jahr bereits verwendet. Eine Entscheidung, ob und mit welchen Funktionen die App auf den Markt kommt, will die Bank in naher Zukunft fällen.
An ihrer Strategie hält Raiffeisen fest. Derzeit läuft die Suche nach einem neuen Bankchef. Poerschke führt die Bank seit dem überraschenden Abgang von Heinz Huber im Dezember interimistisch. Die Suche nach einem neuen CEO könne bis zu zwölf Monate dauern, sagte er am Donnerstag vor Journalisten. Die Frage, ob er sich selbst ebenfalls auf den Posten beworben hat, liess er allerdings offen.
Der Bank schadet das nicht. Raiffeisen rechnet 2025 mit einem Ergebnis in einer ähnlichen Grössenordnung wie im Vorjahr. Bei den Hypotheken, ihrem wichtigsten Geschäftsfeld, rechnet sie mit einer Belebung der Nachfrage, da die Nationalbank die Zinsen weiter senken könnte.
Dabei schätzt Raiffeisen, dass die Angebotsmieten im laufenden Jahr leicht steigen, wenn auch nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. Die Bestandsmieten dürften dagegen leicht sinken. Mittlerweile stammen 18,1 Prozent der Hypotheken in der Schweiz von der Bankengruppe. Ihre Hypothekarforderungen sind im vergangenen Jahr auf 220,8 Milliarden Franken angestiegen.
Ausgebaut hat Raiffeisen auch das Firmenkundengeschäft. Seit dem Verschwinden der Credit Suisse vor rund zwei Jahren haben viele Schweizer Unternehmen nach einer neuen Bankbeziehung gesucht. Raiffeisen hat mehr als 5000 neue Firmenkunden dazugewonnen.
Dabei handelt es sich laut der Bank vor allem um mittlere und grosse Unternehmen, die von verschiedenen Mitbewerbern gewechselt seien. Angebote für Firmenkunden seien laut Poerschke ausgebaut worden, etwa im Devisenbreich, beim Leasing oder bei komplexen Finanzierungen. Ob hier noch mehr folgt, hängt laut dem Bankchef jedoch von der Nachfrage der Kunden ab.
