Nachhaltiges Bauen | 3. September 2025
Marcel Oertle (56) machte bereits bei der Berner Kantonalbank die KV-Lehre und ist heute die Nummer zwei der Kantonalbank. Tiziano Lenoci (47) startete als Sanitär-Zeichner ins Berufsleben und ist heute CEO der Plattform myky. Diese animiert Wohneigentümer zu nachhaltigem Verhalten in Haus und Garten. Die beiden waren Gast in der Sendung «Zäme im Zäntrum». Themen: Häusersanierung, Wahl der Hypothek bis zur Frage, ob Gurken und Tomaten zusammen angepflanzt werden sollten. Zur Sprache kommt aber auch, warum die BEKB bei der Tragbarkeit einen Zins von fünf Prozent einsetzt.
Marcel Oertle (links) und Tiziano Lenoci vor dem Hauptsitz der BEKB beim Bundesplatz in Bern.Foto: Jan Christen
Warum engagiert sich die Berner Kantonalbank bei der Plattform myky.ch? Diese Plattform, welche Hausbesitzer zu nachhaltigem Bauen und Renovieren animieren will?
Marcel Oertle: Nachhaltigkeit ist der BEKB wirklich wichtig und nicht nur eine Modeerscheinung. Seit mehr als zwanzig Jahren sind wir eng mit dem Thema verbunden und engagiert. Wir wollen bis 2050 CO2-neutral sein. Nicht nur mit unseren eigenen Liegenschaften, sondern auch mit jenen unserer Kundschaft. Schon 2030, in fünf Jahren, wollen wir die CO2-Emissionen um fast die Hälfte reduziert haben.
Mit welchen Anreizen?
Marcel Oertle: Wer Umweltkriterien erfüllt, erhält bei der BEKB via myky eine günstigere Hypothek. Wir verzichten mit diesen Zinsvergünstigungen bewusst auf Marge. Im Februar sind wir mit dem Produkt gestartet und haben seither bereits über 800 Millionen Franken vergeben. Zum Vergleich: Wir haben in unserer Bilanz Hypotheken in der Höhe von knapp 30 Milliarden Franken.
Sie bringen die Kundschaft auf einen ökologischeren Weg?
Tiziano Lenoci: Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden eine Plattform mit vielen Hilfestellungen kostenlos an, damit sie ihr Eigenheim ökologischer, aber auch ökonomischer bewirtschaften können.
Idee aus Bern für die Schweiz
Die Berner Kantonalbank ist zu einem Drittel an der Plattform myky.ch beteiligt. Bei einem Aktienkapital von 600’000 Franken sind auch andere Kantonalbanken und die Gebäudeversicherung Bern (GVB) Eigner. Die drei Gründungsmitglieder waren 2021 die Berner Kantonalbank (BEKB), die Gebäudeversicherung Bern (GVB) und Energie Wasser Bern (ewb). Die Berner Idee verfängt nun auch in der ganzen Schweiz.
… Ihr Solarrechner auf der Plattform hat mir eine «Aufdach-Anlage» errechnet. Dabei musste ich nur meine Wohnadresse eingeben. Ich hätte aber gerne eine «Indach-Anlage».
Tiziano Lenoci: Jedes Haus ist anders, all die Rechner auf myky.ch geben erste Anhaltspunkte. Wir empfehlen aber unbedingt, nach ersten Abklärungen einen Experten beizuziehen, der vor Ort kommt.
Passen Schnittlauch und Salbei zueinander? myky.ch hat auch gute Tipps für Hobbygärtner.Foto: Peter Salvisberg
Gelernt habe ich auch auf Ihrer umfangreichen Plattform, dass mir der Sanierungsrechner hilft, aber auch, dass Gurken und Tomaten nicht zusammen angepflanzt werden sollten.
Tiziano Lenoci: (lacht) Die Plattform hat viele Facetten, so zeigen wir auch auf, was im Garten der Umwelt hilft. Viel lässt sich als Wohneigentümer oder Wohneigentümerin auch im Kleinen bewirken. Bei mir etwa nisten Bienen im Sand, den ich bereitgestellt habe.
Wann ist der richtige Moment für Renovationsarbeiten? Der Renovationsrechner hilft.Foto: Peter Salvisberg
Die Einspeisevergütung für Solarenergie ist ab 1. Januar 2026 vom Bundesrat auf sechs Rappen fixiert. Wer hoffte, mit eigener Stromproduktion auf dem Dach etwas zu verdienen, ist enttäuscht.
Marcel Oertle: Ich habe selbst bei meinem Dach auf Solar gesetzt und hätte gerne etwas mehr. Wir füllen nun die Batterie, und diese speist unsere zwei Hybrid-Autos. Der beste Weg ist wohl, den selbst produzierten Strom auch selbst zu nutzen.
Rennvelofahrer & YB-Fan
Tiziano Lenoci (47) ist CEO der Firma myky AG. Marcel Oertle (56) ist Vize-CEO der BEKB und präsidiert den Verwaltungsrat von myky. Lenoci wohnt in Münchenbuchsee und fährt in seiner Freizeit gerne Rennvelo oder bastelt und gärtnert. Oertle wohnt in Merzligen im Seeland, hat ein Flair für YB und engagiert sich im Forum Zweisprachigkeit. Beide haben Familie.
Tiziano Lenoci und Marcel Oertle stellten sich den Fragen von Peter Salvisberg (rechts).Foto: Jan Christen
Der Hypothekenrechner auf bekb.ch hat bei der Tragbarkeit der Hypothek einen kalkulatorischen Zins von fünf Prozent eingesetzt. Das bedeutet: Wer ein Haus für 1,5 Millionen kaufen will, braucht Eigenkapital von 300’000 und ein Jahreseinkommen von 250’000 Franken, um bei Ihnen eine Hypothek zu bekommen. Da bleibt ein Eigenheim für eine junge Familie ein unerfüllbarer Traum. Solch hohe kalkulatorische Zinsen sind doch nicht aktuell.
Marcel Oertle: Wir haben in den 1980er-Jahren erlebt, dass die Zinsen auf sieben bis acht Prozent gestiegen sind. Natürlich ist mit fünf Prozent sehr vorsichtig gerechnet, aber wir wollen damit auch unsere Kundinnen und Kunden absichern. Es soll für sie kein Problem werden, falls die Zinsen wieder steigen sollten. Die solide Finanzierung sorgt dafür, dass sie ihr Eigenheim behalten können.
Warum empfehlen die Bankberater Fixhypotheken? Dabei hat das Vermögenszentrum (VZ) errechnet: Wer in den letzten zehn Jahren bei einer Hypothek von 500’000 Franken auf Geldmarkt-Hypotheken setzte, sparte 40’000 Franken. Der Saron (Swiss Average Rate Overnight) – ein Referenzzinssatz für den Schweizer Geldmarkt – ist sogar negativ.
Marcel Oertle: Unsere Finanzcoaches haben keine Vorgaben, was sie anbieten sollen. Die Kundenbedürfnisse sind sehr individuell: Einige möchten Sicherheit und damit eine längere Fixhypothek, andere sind risikobereiter. Wir verkaufen im Übrigen gegenwärtig sehr viele Saron-Hypotheken.
Tiziano Lenoci: Natürlich ist uns die Reduzierung von CO2-Emissionen wichtig. Ebenso entscheidend ist jedoch, dass wir durch die Sanierungsmassnahmen den Wert der Immobilien erhalten oder sogar steigern können. Und: Wir unterstützen Eigentümer dabei, ihre Immobilie effizienter zu bewirtschaften – und tragen gleichzeitig mit unseren verschiedenen Tools dazu bei, dass sie ihr Zuhause noch mehr geniessen können.
