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Christoph Schoop gibt verfallenen historischen Gebäuden eine zweite Chance. Jetzt baut der Aargauer Investor Mini-Häuser auf der Rigi, um ein altes Hotel zu retten. Und er kritisiert die Pläne von Samih Sawiris auf der Halbinsel Isleten.

Den Geschäftssitz des wohl buntesten Vogels der Schweizer Immobilienbranche stellt man sich irgendwie ästhetischer vor. Die Büros von Christoph Schoop liegen in einer gesichtslosen Überbauung unmittelbar neben dem Kantonsspital Baden, die er ab 2026 umfassend zu einer Wohn- und Gewerbeliegenschaft saniert. Dabei kauft und vermarktet der Investor wesentlich exklusivere und ungewöhnlichere Immobilien. Momentan verkauft er beispielsweise Wohnungen im ehemaligen Hotel Des Alpes auf der Rigi, nahe der Station Klösterli. Vor kurzem hat er das Hotel Furkablick im Kanton Uri gekauft, und auch mit der Badi in Villnachern (AG) hat er besondere Pläne.

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Weitere Perlen seiner «Sammlung» sind das Dorf Verdasio im Centovalli, das Hotel Posthaus im Urner Schächental und die Alte Mühle in Boniswil (AG). «Ich bin kein klassischer Immobilienentwickler. Vielmehr steige ich bei Vorhaben ein, die andere nicht wollen», sagt Schoop. Es sind historische Gebäude, deren Umbau und neue Nutzung oft mit grossen Hürden verbunden sind.

Entscheide aus dem Bauch heraus

Bei allen Objekten ist ihm die Erhaltung der alten Bausubstanz ein zentrales Anliegen. «Es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie viel Geschichte in den letzten Jahren in der Schweiz verlorengegangen ist.» Alle vernachlässigten historischen Bauten kann der Aargauer Investor jedoch nicht retten. Er konzentriert sich mit den Aktivitäten seiner Tinoph AG auf die Achse Tessin–Innerschweiz–Baden. In Baden ist Schoop 1959 als Sohn des Inhabers einer grossen Spenglerei zur Welt gekommen. Von ihm hat er die Liebe zum Bauwesen geerbt. Im Tessin hat er als Kind seine Ferien verbracht und wollte im Alter von 16 Jahren sein erstes Haus kaufen. In Morschach (SZ) oberhalb des Vierwaldstättersees besitzt er einen Zweitwohnsitz.

Die von Schoop entwickelten Immobilienprojekte entstehen somit auf seiner Lebenslinie, weshalb er eine sehr persönliche Verbindung zu jedem einzelnen von ihnen hat. «Wir suchen keine Objekte. Die Objekte kommen zu uns», beschreibt Schoop seine Philosophie. «Den Entscheid, ob ich mich engagiere, fälle ich aus dem Bauch heraus. Ich baue nur dort, wo ich mich persönlich wohlfühle.»

Wohl fühlt sich der Geschäftsmann mit Büezercharme offensichtlich auf der Rigi. Der Aussichtsberg ist von vielen Orten in der Schweiz aus innerhalb kurzer Zeit erreichbar und eignet sich deshalb aus seiner Sicht ausgezeichnet für den Bau von Ferienwohnungen. Da gute Objekte an dieser exklusiven Lage rar sind, sah Schoop 2023 seine Chance gekommen. Für 750 000 Franken ersteigerte er damals das marode Hotel Des Alpes auf 1400 Metern über Meer. Rund 4 Millionen Franken investiert er, um Ferienwohnungen zu schaffen, die den Charme des Baus aus der Belle Époque in die Moderne hinüberretten sollen. «Der Luxus hier oben ist die Natur und nicht ein möglichst hoher Ausbaustandard», sagt Schoop.

Er hat das von den Vorbesitzern vernachlässigte Gebäude unter Denkmalschutz stellen lassen, womit sich Investoren normalerweise den Umbau erschweren. Doch Schoop hält nichts davon, einen grossen Wurf zu machen und dann mit Einsprechern in den Infight zu gehen. «Bei Trouvaillen wie dem Des Alpes, das in einem Gebiet von nationaler Bedeutung steht, braucht es den Dialog», ist er überzeugt. Deshalb hat er die Umweltverbände, die Denkmalpflege und sämtliche involvierten Behörden früh in die Planung einbezogen. Nur so war es möglich, dass vom Kauf bis zur Erteilung der Baubewilligung nur ein Jahr verging.

Eigene Produktion von Mini-Häusern

Allein mit der Umwandlung des Jugendstilhotels in moderne Ferienwohnungen lässt sich das Bauprojekt nicht finanzieren. Schliesslich will und muss Schoop auch Geld verdienen. Deshalb entstehen am Rigi-Südhang ein Neubau im Chaletstil sowie vier Wikkelhouses. Dabei handelt es sich um eine für die Schweiz neue Kleinwohnform. Die modularen Häuser bestehen aus Holzelementen und werden massgefertigt. Die 18 bis 32 Quadratmeter grossen Einheiten können als Wohnraum, Ferienhaus oder Atelier verwendet werden, was sie für Schoop interessant macht.

Typisch für Schoops hemdsärmlige Art ist, wie er die ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Wikkelhouses in die Schweiz brachte. Im Juli 2022 übernachtete er zusammen mit seiner Lebenspartnerin Pelin Karamustafaoglu in Amsterdam in einem solchen Haus. Sie waren begeistert und wollten bei dem Erfinder Oep Schilling ein Haus bestellen. Doch die Firma lieferte nicht in die Schweiz, da dort ganz andere Bauvorschriften gelten.

Aufgeben war für Schoop keine Option, also baute er kurzerhand das Unternehmen Wikkelhouse Schweiz auf. Ende August, also etwas mehr als drei Jahre nach seiner ersten Nacht in Amsterdam, eröffnete er in Anwesenheit von Oep Schilling eine grosse Produktionshalle in Flüelen (UR), in der jährlich hundert Einheiten der an schweizerische Normen angepasste Mini-Häuser gebaut werden. Bei der Feier war auch seine Lebenspartnerin dabei. Sie hat ihren bisherigen Job in der Unternehmensberatung aufgegeben und leitet nun die Firma Wikkelhouse Schweiz.

Die Produktion der kommenden Monate ist bereits verkauft. Nicht nur auf der Rigi, sondern auch im Ski- und Wandergebiet Klewenalp (NW) werden Wikkelhouses entstehen. Dort sollen zwölf Einheiten das bestehende Hotel ersetzen. In der Badi Villnachern, die Schoop 2024 von der Gemeinde gekauft hat, sollen die Häuser als Glamping-Unterkünfte dienen. Später will Schoop die Häuser vom Kanton Uri aus im ganzen Alpenraum vertreiben.

Dass die neue Produktionshalle in der Innerschweiz steht, ist kein Zufall. «Hier finden wir noch junge, top motivierte Leute, die ein Handwerk erlernen und dann mit Begeisterung ausführen», sagt Schoop. Sein wichtigster Partner vor Ort ist Hermi Herger, der Inhaber und Geschäftsführer der Gotthard Holzbau AG. In ihm hat Schoop einen Gleichgesinnten gefunden. «Hermi lebt für den Holzbau und gibt diese Leidenschaft an seine Mitarbeiter weiter.» In anderen Landesteilen habe man zunehmend Mühe, junge Handwerker zu finden.

Von Sawiris ausgebootet

Wenn sich Christoph Schoop um ein Areal oder eine Immobilie bemüht, ist er oft der einzige Interessent. Einer grösseren Öffentlichkeit wurde er allerdings bekannt durch ein Vorhaben, bei dem er nicht zum Zug kam. Es handelt sich um das Isleten-Areal am Urnersee, für das schliesslich der milliardenschwere ägyptische Investor Samih Sawiris den Zuschlag erhielt.

Nach intensiven Verhandlungen lag schliesslich ein Verkaufsvertrag vor und der Termin für die Beurkundung war bereits festgelegt. Dann erhielt Schoop im Jahr 2021 überraschend die Nachricht von der Besitzerin, der Schweizerischen Sprengstoff AG Cheddite, dass sie mit Sawiris verhandle. «Damit war für mich klar, dass wir alle unsere Pläne in den Papierkorb werfen können», sagt er. «Entschieden hat schliesslich das Geld. Mein Mitbewerber hat einfach tiefer in die Taschen gegriffen.»

Auch vier Jahre später ist für Schoop dieser Entscheid gerade aus Sicht des Kantons Uri immer noch unverständlich. «Ich kann nicht verstehen, warum mein Mitbewerber dieses Gelände als Schande für den Kanton bezeichnet», ärgert er sich. «Es ist vielmehr ein Glücksfall, dass dieses Gelände über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt wurde, wodurch die Spuren der Industrialisierung in Uri heute noch sehr gut sichtbar sind.» Schoop hatte verschiedene Visionen für eine sanfte Entwicklung des Areals entwickelt, bei der die Geschichte der von Alfred Nobel gegründeten Sprengstofffabrik eine wichtige Rolle gespielt hätte.

In einer Volksabstimmung im November 2024 haben die Urnerinnen und Urner entschieden, dass Sawiris seine Pläne weiterverfolgen kann. Diese sehen den Bau eines Hotels im Drei- bis Viersternbereich auf der Isleten-Halbinsel vor. Ausserdem sind Mehrfamilienhäuser mit 70 bewirtschafteten Wohnungen geplant. Schoop missgönnt dem Initianten des Resorts Andermatt diesen Erfolg nicht. «Doch ich finde es schade, dass diese Perle dem Massentourismus geopfert wird. Das darf keiner.» Hier dürfe nichts entstehen, das nur für die Schönen und Reichen gedacht sei.

Ein direkter Kontakt zwischen Christoph Schoop und Samih Sawiris hat bisher nicht stattgefunden. Doch der Aargauer Investor hat die Hoffnung, das ehemalige Industrieareal doch noch entwickeln zu können, nicht aufgegeben. «Ich wünsche mir, dass die Umweltverbände stark genug sind und die Pläne nicht bewilligen.»

Sollte Sawiris mit seinen Plänen tatsächlich scheitern, wäre Schoop bereit, wieder einzusteigen. «Wenn mein Mitbewerber die Millionen zurückhaben will, die er investiert hat, bin ich wahrscheinlich der falsche Mann. Doch wenn der Preis stimmt, bin ich sofort bereit, wieder einzusteigen», sagt Schoop. Auch für die Isleten gilt Schoops Philosophie: «Ich muss nicht eine Zehnernote verdienen, ein Fünfliber reicht auch.»



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