Das Angebot an leer stehenden Wohnungen und Einfamilienhäusern ist in der Schweiz erneut kleiner geworden. Am 1. Juni 2025 wurden in der Schweiz 48’455 Leerwohnungen gezählt, wie das Bundesamt für Statistik mitteilt. Das ist ein Rückgang von 3519 Wohnungen oder 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neu liegt die Leerwohnungsziffer bei genau einem Prozent. Es ist der tiefste Leerstand seit zwölf Jahren.
Mit dem fünften Rückgang in Folge entfernt sich der Anteil leer stehender Wohnungen weiter vom Leerstand, der von Fachleuten als optimal angesehen wird. Laut dem Immobilienberater Wüest Partner braucht es durchschnittlich 1,27 Prozent leere Wohnungen, damit die Mietpreise stabil bleiben.
Die Angebotsmieten steigen laut dem Homegate-Mietindex dieses Jahr zwar nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Von Januar bis Juli 2025 lag das Plus bei 1,3 Prozent. Letztes Jahr war der Anstieg in der gleichen Zeitspanne noch mehr als doppelt so hoch. Ein Grund für die leichte Entspannung dürfte die verringerte Zuwanderung in den ersten fünf Monaten des Jahres sein. Über die letzten fünf Jahre ist der Preisanstieg aber eindrücklich: Die Angebotsmieten wurden in der Schweiz 14 Prozent teurer.
Tiefster Leerstand neu am Genfersee
Das Leerwohnungsangebot ist in allen Grossregionen rückläufig. Die grössten Abnahmen verzeichnen das Tessin und die Genferseeregion. Am wenigsten stark verkleinerte es sich in der Nordwestschweiz, nachdem diese Region im Vorjahr noch den grössten Rückgang verzeichnet hatte.
Von den Kantonen haben Genf (0,34 Prozent), Zug (0,42 Prozent) und Zürich (0,48 Prozent) die tiefsten Leerwohnungsziffern. Genf hat Zug damit als Schlusslicht abgelöst. In Zug ist der Leerstand minim – um 20 Wohnungen oder 0,03 Prozentpunkte – gestiegen. Nur in fünf anderen Kantonen gab es ebenfalls ein Plus: Neuenburg, Jura, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Obwalden. In Graubünden blieb die Quote stabil, in allen anderen Kantonen sank sie.
Insgesamt liegt die Quote in 15 Kantonen unter einem Prozent. Die Kantone Jura (3,03 Prozent) und Solothurn (2,05 Prozent) liegen als einzige über der 2-Prozent-Marke.
Auf Gemeindeebene lassen sich ebenfalls deutliche Unterschiede erkennen. Gerade in den Städten ist die Zahl leer stehender Wohnungen sehr klein. In Zürich ist sie leicht gestiegen – von 169 auf 235 Wohnungen. Das sind allerdings immer noch nur 0,1 Prozent aller Wohnungen. Zum Vergleich: In der Stadt Basel beträgt der Leerstand 0,95 Prozent, in Bern 0,43 Prozent, in Luzern 1,01 Prozent und in St.Gallen sogar 2,3 Prozent.
In einzelnen Gemeinden liegt die Leerwohnungsziffer gar bei 0. Allerdings ist hier etwas Vorsicht geboten. Nicht überall werden die Daten gleich erhoben (siehe Infobox «Zu den Daten»).
Die Leerwohnungsziffer wird vom Bundesamt für Statistik (BFS) jeweils im September veröffentlicht. Sie umfasst alle per Stichtag 1. Juni leer stehenden Wohnungen, die bewohnbar sind und zur Dauermiete oder zum Kauf angeboten werden. Einfamilienhäuser und Ferienhäuser zählen auch dazu, sofern sie diese Kriterien erfüllen.
Die Daten werden von den Gemeinden erhoben, die dafür unterschiedliche Vorgehensweisen wählen. Wenn Eigentümerinnen und Eigentümer einzelne Leerstände nicht melden, kann das gerade in kleineren Gemeinden beträchtliche Auswirkungen auf die publizierte Leerwohnungsziffer haben. (rus)
Starker Rückgang bei Mietwohnungen – ausser bei grossen Objekten
Am stärksten war der Rückgang laut BFS bei den unbewohnten Mietwohnungen mit minus 8 Prozent. Die Zahl der zum Kauf angebotenen Wohnungen nahm um 2,5 Prozent ab. Damit hat sich die Dynamik beim Wohneigentum den Mietwohnungen angeglichen. Vor einem Jahr war die Zahl verfügbarer Kaufobjekte noch gestiegen.
In einem Segment stieg die Leerwohnungsquote: Die Zahl der Grosswohnungen mit sechs und mehr Zimmern nahm um 2,3 Prozent auf 3717 Einheiten zu. Die meisten leeren Wohnungen haben indes drei oder vier Zimmer.
Der angespannte Wohnungsmarkt zeigt sich auch in einer anderen Statistik: Die Zahl der Umzüge ist in den vergangenen Jahren um rund 10 Prozent gesunken. 2023 zogen 9,3 Prozent der ständigen Bevölkerung um, was dem tiefsten Wert der letzten zehn Jahre entspricht. Die Daten für 2024 veröffentlicht das Bundesamt für Statistik im Dezember.
