Der Chart des Tages
Warum Sie auch künftig keine Wohnung finden
Im Verhältnis zur Bevölkerung werden wenige Baugesuche gestellt, das zeigt eine Studie von Raiffeisen. In Zentren ist kaum Baugrund vorhanden, es wird verdichtet.
In den vergangenen Monaten waren die Hypothekarzinsen in der Schweiz deutlich gesunken. Das sollte eigentlich die Bautätigkeit anregen. Aber davon ist bei den Baugesuchen nichts zu sehen. Insbesondere im Verhältnis zur Wohnbevölkerung notieren sie deutlich niedriger als in den Jahrzehnten zuvor (vgl. Grafik oben). Das zeigt der neue Bericht «Immobilien Schweiz» von Raiffeisen für das zweite Quartal.
Dabei wurde der Wohnungsmangel in den städtischen Zentren in der Schweiz immer prekärer. Raiffeisen beobachtet, dass sich immer mehr Schweizer einschränken müssen: «Überstrapazierte Haushaltsbudgets, überbelegte Wohnungen, Abstriche bei Ausstattung und Qualität oder deutlich längere Pendlerwege führen längst nicht mehr nur bei den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft zu spürbaren Wohlstandsverlusten.»
Dabei darf man auf zwei Massgrössen für den Wohnraummangel gar nicht mehr schauen, meinen die Immobilienspezialisten. Die Leerstandsquote und die Angebotsquote – das ist die Zahl der zur Vermietung ausgeschriebenen Wohnungen relativ zum Mietwohnungsbestand – haben ihre Aussagekraft als Knappheitsindikatoren verloren. «Sie stossen an ihren unteren Widerstand» – tiefer geht es also nicht.
Akuter Mangel an Baugrund und verschärfte Vorgaben machen es schwierig, mehr Wohnungen zu bauen. Nur 15% aller Bauzonen sind noch nicht bebaut. Man muss oftmals verdichten – das heisst: Alte Gebäude werden abgerissen. Ab 2020 hat sich die Zahl der abgebrochenen Bauten deutlich erhöht (vgl. Grafik unten), insbesondere Industriebauten sind betroffen.
Zu verdichten ist komplexer, teurer und aufwendiger als der Bau auf der grünen Wiese. Ausserdem werden zunehmend Bestandswohnungen durch den Neubau aus dem Verkehr gezogen: «Zu Beginn der 2010er-Jahre wurden pro hundert Neubauwohnungen schweizweit noch rund zehn Altwohnungen abgebrochen, in den letzten Jahren waren es jeweils fast fünfzehn», berichtet Raiffeisen.
Die Ersatzbautätigkeit sei alternativlos, heisst es in der Studie. Es gäbe aber Nachteile. Denn es gibt natürlich eine Verzögerung, in der die durch Abriss vernichteten Wohnungen noch nicht ersetzt sind. Dazu ist sie aus Umweltgründen zu hinterfragen. Und zuletzt sind die neuen Wohnungen dann oft weniger erschwinglich.
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