Immobilien im Ausland
Schweizerinnen und Schweizer kaufen vermehrt ein Haus am Meer
In der Schweiz können sich nur 15 Prozent der Bevölkerung Wohneigentum leisten. Deshalb suchen sie Immobilien im Ausland – als Investition, Ferienhaus oder Hauptwohnsitz.
- Schweizer kaufen vermehrt Immobilien im Ausland, als Feriendomizil oder Hauptwohnsitz nach der Pensionierung.
- In Spanien bekommt man laut Experten für rund 200’000 Franken eine Dreieinhalbzimmerwohnung an guter Lage am Meer.
- 206’000 Schweizerinnen und Schweizer, mehr als ein Viertel der Ausgewanderten, leben in Frankreich.
Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, nach den langen Wintermonaten dem grauen Himmel zu entfliehen, in die Ferne zu schweifen und dort an einem sonnigen Strand für immer ein sorgloses Leben zu führen? Diesen Traum haben offenbar viele Schweizerinnen und Schweizer, die sich vermehrt für den Kauf einer Immobilie im Ausland entscheiden – sei es als Hauptwohnsitz oder als Ferienhaus.
In der Schweiz wohnt die Mehrheit der Bevölkerung in Mietwohnungen. Vermutlich nicht immer freiwillig, denn in den letzten 25 Jahren haben sich die Immobilienpreise in unserem Land verdoppelt. Zudem gelten restriktivere Bedingungen für die Aufnahme eines Hypothekarkredits. Vor 20 Jahren konnten sich 60 Prozent der Schweizer Haushalte eine Immobilie mittlerer Grösse leisten. Heute sind es nur noch 15 Prozent, wie eine Studie der UBS im Frühjahr 2024 aufzeigte.
Aufgrund dieser Ausgangslage richtet sich das Interesse vieler Schweizerinnen und Schweizer auf Liegenschaften im Ausland. Dank des starken Frankens sowie der Einkommen und Renten, die im Vergleich zum Rest der Welt deutlich höher sind, verfügt die Bevölkerung in der Schweiz nach wie vor über eine sehr hohe Kaufkraft. Gemäss dem internationalen Immobilienportal Properstar suchen Schweizerinnen und Schweizer mehrheitlich nach Liegenschaften mit einem Kaufpreis zwischen 100’000 und 250’000 Franken. Mit diesem Budget kann man sich in der Schweiz nichts Grosses leisten, im Ausland hingegen schon – zum Beispiel ein schönes Haus am Meer.
Ein besseres Leben im Ausland
«Egal ob Investoren oder zukünftige Rentnerinnen, egal ob grosses oder kleines Budget: Der gemeinsame Nenner ist der Wunsch, sich etwas zu gönnen», sagt Laurent Pannatier, Chef der Immobilienagentur Proximmo und Immobilier Espagne. Die Agentur hat sich auf Schweizer Interessenten im spanischen Immobilienmarkt spezialisiert. «Hat ein Schweizer oder eine Schweizerin die Absicht, auszuwandern, besteht das Ziel nicht darin, am neuen Ort eine Standardlösung zu finden, sondern fortan ein besseres Leben zu führen.»
Meerblick und Zugang zum Strand gehören laut Pannatier zu den wichtigsten Suchkriterien. Die überwiegende Mehrheit der Kundschaft kaufe Immobilien an Orten der spanischen Küste, die leicht zu erreichen seien und wo das ganze Jahr über ein angenehmes Klima herrsche. Dabei handle es sich um Liegenschaften, die in einer höheren Preisklasse angesiedelt seien als solche, die von Spanierinnen und Spaniern ge- oder verkauft würden. «Schon mit 200’000 Franken können Sie eine schöne, neue – oder ziemlich neue – Dreieinhalbzimmerwohnung an guter Lage am Meer kaufen», erklärt der Makler.
Der Umzug in ein anderes Land geht einher mit dem Aufstieg von der Schweizer Mittelschicht in eine höhere Vermögensgruppe im Ausland. Das zeigt sich auch bei der Wahl der Immobilie: «Die Nachfrage variiert von Land zu Land, aber im Allgemeinen sind Einfamilienhäuser mit eigenem Garten am begehrtesten», erklärt Lan Anh Nguyen, Beraterin beim Immobilienmakler Engel & Völkers. Sie bestätigt auch, dass die Nachfrage gestiegen ist, «insbesondere seit der Coronapandemie».
Auswandern liegt im Trend
Neue Statistiken bestätigen die von Immobilienmaklern beobachteten Trends. Die Zahl der Auslandschweizerinnen und -schweizer steigt auf allen Kontinenten – mit Ausnahme von Afrika, wie aus dem jüngsten Bericht des Bundesamtes für Statistik hervorgeht. Auf dem asiatischen Kontinent ist die Schweizer Gemeinschaft in den letzten Jahren in Israel, Thailand und den Philippinen am stärksten gewachsen. Das in der Vergangenheit wenig gefragte Portugal verzeichnet seit einigen Jahren den stärksten Anstieg in Europa (+13,9 Prozent zwischen 2022 und 2023).
In unseren Nachbarländern sind die grössten Schweizer Gemeinschaften wohnhaft, wobei Frankreich mit Abstand an der Spitze steht: Mehr als ein Viertel der Ausgewanderten, nämlich 206’000 Schweizerinnen und Schweizer, leben in Frankreich. Sie machen gemäss BNP Paribas 9 Prozent der ausländischen Immobilienkäuferschaft in Frankreich aus. Vor ihnen liegen mit 27 Prozent britische Staatsangehörige. In französischen Grenzgebieten leben bis zu 20 Prozent Schweizer Ausgewanderte, die ein Haus oder eine Wohnung als Hauptwohnsitz besitzen – unabhängig davon, ob sie berufstätig oder im Ruhestand sind. Neben den Grenzgebieten sind auch Paris, Südfrankreich und die Côte d’Azur sehr beliebt.
Das französische Immobilienmakler-Netzwerk Mon Chasseur Immo, das auf den Fernkauf von Immobilien in Frankreich spezialisiert ist, hat uns auf Anfrage die Zahlen zu Schweizer Immobilienkäufern und -käuferinnen zur Verfügung gestellt. Seit der Coronapandemie ist die Nachfrage stetig gestiegen. Im Jahr 2020 erfolgte der Kauf von Immobilien fast ausschliesslich als Investition (93 Prozent gegenüber 7 Prozent Zweitwohnsitzen). 2024 hingegen kauften Schweizer Staatsangehörige Immobilien in Frankreich mit einem der drei folgenden Ziele: Investition (44 Prozent), Zweitwohnsitz (33 Prozent) und Hauptwohnsitz (22 Prozent). In diesen vier Jahren stieg das durchschnittliche Budget für den Immobilienkauf von 240’000 auf rund 280’000 Franken.
Immobilienmarkt in Spanien boomt
Neben unseren Nachbarländern gehört Spanien zu den beliebtesten Zielen in Europa. Laurent Pannatier unterteilt seine Schweizer Kundschaft in drei Hauptkategorien: «Es gibt Investorinnen und Investoren, die etwas Geld auf der Seite haben und eine Mietrendite erzielen wollen. Sie wissen, dass man in der Schweiz mit einem Kapital von 50’000 bis 100’000 Franken nicht viel kaufen kann.»
Die zweite Kategorie setzt sich aus Rentnerinnen und Rentnern zusammen, die in der Schweiz alles aufgeben, um sich im Ausland niederzulassen. Die dritte Kategorie, die die Spitze des Warenkorbs bildet, ist ein Mix aus den beiden anderen Kategorien. «Es handelt sich um Personen im Alter von 45 bis 50 Jahren, die eine Immobilie für ihre Ferien kaufen. Den Rest der Zeit vermieten sie diese, um die Kosten zu amortisieren oder sogar ein wenig Geld damit zu verdienen», erklärt Laurent Pannatier. «Zudem planen sie, sich dort mittel- bis langfristig niederzulassen.»
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Mit einer zweistelligen Wachstumsrate gewinnt der Markt an der spanischen Küste immer mehr an Wert. Spanien hat aus seinen vor zwei Jahrzehnten gemachten Fehlern gelernt, die masslose Betonierung gebremst und auf qualitativ hochwertige Bauten gesetzt. Die Coronapandemie und das Homeoffice, das heute zum Berufsalltag gehört, haben die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt angekurbelt. Die Käuferschaft stammt nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus Grossbritannien, den Niederlanden, Deutschland, Belgien und neuerdings auch aus Russland.
«Es gab einen sehr schnellen Aufwärtstrend», sagt Laurent Pannatier. Schöne Häuser, die für 1,2 bis 1,4 Millionen Franken verkauft wurden, werden sechs oder sieben Jahre später für 2,1 bis 2,2 Millionen weiterverkauft. Wer gut beraten wird und am richtigen Ort kauft, kann sich also mit dem Kauf einer Immobilie im Ausland den Ruhestand vergolden oder seinen Angehörigen eine schöne Erbschaft sichern.
Aus dem Französischen übersetzt von Yolanda Di Mambro.
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