Verkauf des Parkhotel Oberhofen | 30. September 2025
Das Interesse sei grösser als gedacht, so Dominique Julen. Der gebürtige Walliser ist Teil der Geschäftsleitung des Grundeigentümer Verband Schweiz, dieser soll eine passende Käuferschaft finden. Die Plattform J spricht vor Ort über die Zukunft des Hotels: Wie viele der bisherigen Interessenten stammen aus der Schweiz? Wird der Hotelbetrieb in Zukunft weitergeführt werden? Und wäre ein Neubau denkbar?
Ein altehrwürdiges Hotel wird verkauft: Bei diesem Satz geistern schnell einmal Gerüchte durch die Gegend. Erinnerungen an brachliegende Gebäude wie in Gunten bei Sigriswil werden wach. Ein Geisterhotel dürfte aus dem 1913 erbauten Gasthaus in Oberhofen allerdings keines werden: «Im Gegenteil – erst kürzlich wurde die Technik überprüft, so weit funktioniert alles einwandfrei, selbst die Lifte laufen noch», erläutert Dominique Julen. Der frühere Hotelier aus Zermatt arbeitet seit 2021 für den Grundeigentümer Verband Schweiz. Als Leiter für Anlageimmobilien ist der 40-Jährige mit dem Verkauf des Parkhotel Oberhofen betraut worden. Und wie viel soll das Hotel über dem Thunersee mit 32 Zimmern kosten?
Das Parkhotel Oberhofen steht zum Verkauf: Wie viel die Solviva Immobilien AG als Besitzerin dafür verlangt, wird nicht öffentlich kommuniziert.Fotos: Ben Abegglen
Kein Notverkauf, kein Zeitdruck
«Interessenten können sich direkt bei uns melden», erläutert Julen. Diese erhalten nicht nur ein rund 80 Seiten umfassendes Verkaufsdossier, sondern auch weitere Angaben zur Finanzierung. «Den potenziellen Käuferinnen und Käufern nennen wir den Preis, da sie teilweise beträchtliche Anfahrtswege auf sich nehmen.» Öffentlich werde der Kaufpreis jedoch nicht kommuniziert. Eine zeitliche Begrenzung für Besichtigungen ist nicht vorgesehen. «Es handelt sich nicht um einen Notverkauf. Wir bieten so lange Rundgänge an, bis wir die ideale Käuferschaft gefunden haben.»
Die Eigentümer sind keine Hoteliers, daher dient ihnen das Gebäude nicht mehr
Dominique Julen Grundeigentümer Verband Schweiz Oberhofen
Alleine in den vergangenen Tagen hätten drei Parteien die rund 5000 Quadratmeter grosse Parzelle über dem Thunersee in Augenschein genommen. «Es sind bereits mehrere neue Besichtigungen geplant.» Und falls ein Interessent direkt zuschlagen möchte? «Ein Handschlag reicht nicht aus. Es muss ein schriftliches Angebot eingereicht werden, mit einer Finanzierungsbestätigung der Bank.» Die Vorauswahl werde sorgfältig getroffen, so Julen. Wer schlussendlich den Zuschlag erhalte, das entscheide letztlich die Besitzerin.
In den vergangenen Jahren diente das 1913 erbaute Gasthaus als Alters- und Pflegeheim, zuletzt waren Geflüchtete aus der Ukraine dort untergebracht.
Warum wird das Haus an bester Lage überhaupt verkauft? «Die Eigentümer sind keine Hoteliers, daher dient ihnen das Gebäude nicht mehr.» Finanzieller Druck sei keiner vorhanden. Seit 2018 ist das Parkhotel Oberhofen im Besitz der Solviva Immobilien AG. Diese nutzte das Haus zunächst als Alters- und Pflegeheim, später fanden dort Geflüchtete aus der Ukraine Schutz. Derzeit steht es leer, die Zukunft ist offen. Aus welchen Staaten stammen die bisherigen Interessenten?
«Bisher waren es allesamt Personen aus der Schweiz und auch aus der näheren Region, die sich für das Hotel interessiert haben», so Julen. Dass der Bau aus der Belle Époque allerdings auch internationale Ausstrahlung besitze, sei unbestreitbar. So residierten im Parkhotel über dem Thunersee einst Fussball-Superstars wie Thierry Henry oder Zinédine Zidane – nach den beiden wurden gar Zimmer benannt. Auch der ehemalige Bundespräsident von Deutschland und Hotelgast Gustav Heinemann erhielt eine Widmung.
Die Hotelzimmer wurden nicht nur nach internationalen Stars wie Zidane benannt, auch bekannte Schweizer Persönlichkeiten wie die Schlagersängerin Francine Jordi fanden Einzug.
Trotz der bewegten Vergangenheit betrachtet Oberhofens Gemeindepräsident Philippe Tobler den Verkauf mit einer gewissen Nüchternheit: «Was auch daran liegt, dass das Haus seit Jahren nicht mehr als Hotel genutzt wird», erklärt der SVP-Politiker am Telefon gegenüber der Plattform J. Gleichzeitig sei es «wünschenswert, dass man nicht etwas Ähnliches wie in Gunten durchmachen muss» – wo das Hotel Hirschen an bester Lage zur Ruine verkam.
Wir können nicht in den Markt eingreifen
Philippe Tobler Gemeindepräsident Oberhofen
Wie gross wäre das Bedürfnis nach einer Käuferschaft aus der Region oder der Schweiz? «Der Preis bestimmt, wer der Käufer wird. Wir können nicht in den Markt eingreifen», entgegnet Tobler. «Eine Situation wie im Bellevue au Lac in Hilterfingen möchten wir aber auch nicht unbedingt.» Dort, wo die neuen Besitzer aus den Arabischen Emiraten dem Gasthaus ihren persönlichen Stempel aufgedrückt haben. Klar ist, dass nun ein neues Kapitel beginnt.
Dominique Julen vom Grundeigentümer Verband Schweiz ist für den Verkauf des Parkhotels zuständig: «Ein Handschlag reicht nicht aus. Es muss ein schriftliches Angebot eingereicht werden, mit einer Finanzierungsbestätigung der Bank».
Hotel oder Wohnungen?
Wie das Parkhotel künftig genutzt wird, das werde sich zeigen, fügt Julen an. Einerseits besteht die Chance, dass das Gebäude saniert und wieder als Hotel betrieben wird: «Vielleicht mit Spa-Bereich, modernisierten Zimmern und einem touristischen Konzept, das zur Lage hoch über dem See passt.» Die Kosten dafür dürften nicht unerheblich sein. Andererseits lockt die Idee einer Umnutzung: Wohnungen im gehobenen Stil, mit Panoramasicht, vielleicht ergänzt durch Neubauten auf dem angrenzenden Parkplatz.
Damit die Umnutzung in Wohnungen möglich werden würde, bräuchte es jedoch politische Entscheide. «Das Areal liegt in einer Hotelzone, eine Umzonung könnte nur von der Gemeindeversammlung beschlossen werden.» Und hier kommt die lokale Bevölkerung ins Spiel: Sie entscheidet letztlich auch mit, ob Oberhofen künftig ein Stück seiner touristischen Tradition transferiert, um neuen Wohnraum zu schaffen.
Auch der Parkplatz gehört zum rund 5000 Quadratmeter grossen Grundstück – darauf könnten künftig ein weiteres Hotel oder Unterkünfte für Mitarbeitende entstehen.
Nebst dem Hauptgebäude steht der Käuferschaft der angrenzende Parkplatz zur Verfügung. «Dieser befindet sich ebenfalls in der Spezialzone. Direkt neben dem Hotel könnte also ein weiterer Hotelbau entstehen – oder auch Unterkünfte für die Mitarbeitenden.» Potenzial sei definitiv vorhanden, so Julen. Gab es indessen auch schon weniger seriöse Angebote? «Die gibt es immer.»
Ein typischer «Gschäftlimacher», wie Julen es nennt, sei bisher noch nicht aufgetaucht. «Sie kommen meist auch nicht vorbei, sondern senden ein Angebot, das deutlich unter dem angegebenen Preis liegt.» Gibt es denn einen Favoriten unter den Personen, die das Parkhotel bisher besichtigt haben? «Für mich persönlich schon, aber das heisst noch gar nichts.» Daten der Käuferschaft seien noch nicht an die Eigentümerin weitergegeben worden. «Das Auswahlverfahren nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch, da es von den potenziellen Käufern, aber auch von uns einige Vorabklärungen benötigt, um die beste Lösung zu finden.»
Die bisherigen Interessenten für das Hotel über dem Thunersee stammen laut Julen alle aus der Schweiz oder der nahen Region.
