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Fokus: Wirtschaft, Finanzen, Banken, Hypotheken und Märkte.
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TEXT:
Hausbesetzer sorgen mit obskuren Forderungen immer wieder für Aufsehen, ob in Zürich oder in Winterthur. So unterhaltsam das ist: Die Politik sollte viel entschiedener dagegen vorgehen.
Noch mehr Parolen: maskierte Besetzer der «Gisi» in Winterthur am vergangenen Freitag.
Claudio Thoma / Keystone
Das Drama kommt einem bekannt vor. Dieses Mal bittet die linksalternative Szene in Winterthur zum letzten Gefecht. Die Besetzer der «Gisi», eines über 340 Jahre alten Wohnhauses an der General-Guisan-Strasse, hätten die Liegenschaft eigentlich bis Ende Juli verlassen müssen. Aber sie denken nicht daran, ihren «Widerstand» gegen «Kapitalismus» und «Unterdrückung durch Lohnarbeit» aufzugeben.
Stattdessen wollen sie «Freiräume verteidigen». Das haben sie in grossen Buchstaben auf eine Mauer des heruntergekommenen Gebäudes gesprayt. Sie wollen «Wohnraum enteignen und kollektivieren!». So stand es vor einer Woche auf einem Transparent im Innenhof, versehen mit einem roten Stern und einer Faust. Für die Bewohner der «Gisi» ist klar, was ihnen droht: «Das ist ein Angriff der Reichen und Mächtigen auf die Besitzlosen», verkündete eine der Besetzerinnen an der Pressekonferenz. Sie trug die Maske eines Rotfuchses – wie Robin Hood im Zeichentrickfilm von Disney, der Held der Armen und Entrechteten.
Das Theater der Weltverbesserer trieft vor Pathos. Ihre Parolen scheinen einem kommunistischen Gruselkabinett entsprungen. «Unsere Gesetze sind nicht eure Gesetze! Eigentum ist Diebstahl!», rief die Füchsin vom ersten Stock hinunter. Und natürlich: «Gisi bleibt!!» Die Schlachtrufe könnten auch von einer anderen Hausbesetzung stammen, die Winterthur und andere Städte seit Jahrzehnten immer wieder ein bisschen erschüttern. Siehe Wohlgroth, siehe Koch-Areal in Zürich.
Bewohner des besetzten Hauses tragen ihre klassenkämpferischen Phantasien vor.
Claudio Thoma / Keystone
Umso mehr darf man festhalten: Die Schweiz ist viel zu nachsichtig mit einer Szene, die in pseudorevolutionären Parallelwelten lebt. Die die eingeforderten Werte – Toleranz, Dialog, Friedfertigkeit – selbstgerecht mit Füssen tritt. Die sich zum Opfer einer ach so repressiven Staatsgewalt stilisiert. Und eines angeblich zu Tode kommerzialisierten Kulturbetriebs. Das ist Unsinn.
Die Eigentümer sind die Dummen
Richtig ist: Hausbesetzer schaffen keine «Freiräume». Sie werden nicht dazu gezwungen, leerstehende Immobilien zu annektieren. Sie machen es einfach – im Wissen darum, dass es Jahre dauern kann, bis sie ihr «Zuhause» verlassen müssen. Die «Gisi» in Winterthur ist seit 1997 besetzt. «Praktisch» für die Bewohner ist das allemal: Sie zahlen zwar für Wasser und Strom, aber keine Miete.
Und selbst jetzt, da die Eigentümerin die Geduld verloren hat und den Besetzern nach einer allerletzten Frist mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs droht, dürften bis zu einer Zwangsräumung Monate vergehen. Die Behörden hätten «verhältnismässig» vorzugehen, erst recht nach einer langen Zeit, heisst es in solchen Fällen immer wieder.
Die Stadt Zürich etwa ist stolz auf ihren «pragmatischen Umgang» mit Hausbesetzungen, wie eine Antwort des Stadtrats auf einen Vorstoss der SVP zeigt. Konkret heisst das: Geräumt wird nur, wenn – neben einer Strafanzeige – eine Abbruch-, eine Baubewilligung oder ein Mietvertrag für Dritte vorliegt oder aber erhebliche Sicherheitsbedenken bestehen. Zyniker mögen einwenden, dass beim Merkblatt Hausbesetzungen des Sicherheitsdepartements der Grünen Karin Rykart einzig folgende Weisung vergessengegangen sei: «In Zürich sind Besetzer herzlich willkommen!»
Verklärung der Linken
Allein, wo bleibt die Empörung? Besetzte Liegenschaften sind nicht durchweg mit «Brutstätten linker Gewalt» gleichzusetzen, wie dies die Stadtzürcher SVP gewohnt alarmistisch tut. Aktivistische Träumereien mit Fäusten und roten Sternen auf Hausfassaden und Transparenten machen noch keine Revolution.
Wesentlich ist etwas anderes: Hausbesetzer werden mit Samthandschuhen angefasst. Besetzte Orte wie die alte Post in Wipkingen werden als «Bereicherung» des Kulturlebens verklärt. Vergleiche mit einem gelungenen Beispiel – der Roten Fabrik in Zürich Wollishofen – sind schnell zur Hand, auch wenn sie hinken. Man gewöhnt sich an die verschmierten Gebäude. Man findet sie irgendwie cool, weil sie aus dem Rahmen des gepützelten Mainstreams fallen und für «Vielfalt» stehen. Und für Spektakel und Skandale.
Als die Polizei bei der (reibungslosen) Räumung des Zürcher Wohlgroth-Areals 1993 per Helikopter einfiel, wähnte man sich in Hollywood. Als ruchbar wurde, dass die Söhne des damaligen Polizeivorstehers Richard Wolff auf dem Koch-Areal verkehrten, musste der Stadtrat der AL 2016 in den Ausstand treten und das Dossier abgeben. Bei der Zentralwäscherei in Zürich forcierte die Stadt eine Zwischennutzung, weil sie einer Besetzung des verlassenen Industrieareals zuvorkommen wollte.
All das rechtfertigt noch lange nicht die schwache Position, in der sich die Eigentümer solcher Liegenschaften mitunter befinden. Bei der «Gisi» in Winterthur ist das eine Stiftung, die sich um die Besitztümer des verstorbenen Immobilienmoguls Bruno Stefanini kümmert. Sie hat bereits 2023 kommuniziert, was sie an der General-Guisan-Strasse zu tun gedenkt. In dem Haus sollen günstige Wohnungen entstehen: etwas, was auch die Besetzer verlangen – und gleichzeitig verhindern, man glaubt es kaum.
Der Zeitplan des Projekts ist ungewiss. Es sei sehr aufwendig, das eigene Recht durchzusetzen. Ohne entsprechende Ressourcen könne man sich das gar nicht leisten, sagte die Verwalterin der Stiftung diese Woche zur NZZ.
Seit Anfang Juli können Immobilienbesitzer leichter zur Selbsthilfe schreiten – sofern sie schnell genug reagieren, nachdem ihre Liegenschaft besetzt worden ist. Und sie können vor Gericht eine Zwangsräumung erwirken, auch gegen unbekannte Personen. So will es eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das reicht nicht. Der Gesetzgeber müsste viel mehr tun, um die Interessen der Eigentümer zu schützen. Die Schweiz – und damit auch Zürich und Winterthur – sollte sich von ihrer besetzerfreundlichen Politik verabschieden.
Heruntergekommene Fassade, Zeichen der Subkultur in Winterthur.
Claudio Thoma / Keystone
Erstelle 3–5 stichpunktartige Kernaussagen (je max. 15 Wörter) mit Fokus auf wirtschaftliche oder finanzielle Aspekte.
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TEXT:
Hausbesetzer sorgen mit obskuren Forderungen immer wieder für Aufsehen, ob in Zürich oder in Winterthur. So unterhaltsam das ist: Die Politik sollte viel entschiedener dagegen vorgehen.
Noch mehr Parolen: maskierte Besetzer der «Gisi» in Winterthur am vergangenen Freitag.
Claudio Thoma / Keystone
Das Drama kommt einem bekannt vor. Dieses Mal bittet die linksalternative Szene in Winterthur zum letzten Gefecht. Die Besetzer der «Gisi», eines über 340 Jahre alten Wohnhauses an der General-Guisan-Strasse, hätten die Liegenschaft eigentlich bis Ende Juli verlassen müssen. Aber sie denken nicht daran, ihren «Widerstand» gegen «Kapitalismus» und «Unterdrückung durch Lohnarbeit» aufzugeben.
Stattdessen wollen sie «Freiräume verteidigen». Das haben sie in grossen Buchstaben auf eine Mauer des heruntergekommenen Gebäudes gesprayt. Sie wollen «Wohnraum enteignen und kollektivieren!». So stand es vor einer Woche auf einem Transparent im Innenhof, versehen mit einem roten Stern und einer Faust. Für die Bewohner der «Gisi» ist klar, was ihnen droht: «Das ist ein Angriff der Reichen und Mächtigen auf die Besitzlosen», verkündete eine der Besetzerinnen an der Pressekonferenz. Sie trug die Maske eines Rotfuchses – wie Robin Hood im Zeichentrickfilm von Disney, der Held der Armen und Entrechteten.
Das Theater der Weltverbesserer trieft vor Pathos. Ihre Parolen scheinen einem kommunistischen Gruselkabinett entsprungen. «Unsere Gesetze sind nicht eure Gesetze! Eigentum ist Diebstahl!», rief die Füchsin vom ersten Stock hinunter. Und natürlich: «Gisi bleibt!!» Die Schlachtrufe könnten auch von einer anderen Hausbesetzung stammen, die Winterthur und andere Städte seit Jahrzehnten immer wieder ein bisschen erschüttern. Siehe Wohlgroth, siehe Koch-Areal in Zürich.
Bewohner des besetzten Hauses tragen ihre klassenkämpferischen Phantasien vor.
Claudio Thoma / Keystone
Umso mehr darf man festhalten: Die Schweiz ist viel zu nachsichtig mit einer Szene, die in pseudorevolutionären Parallelwelten lebt. Die die eingeforderten Werte – Toleranz, Dialog, Friedfertigkeit – selbstgerecht mit Füssen tritt. Die sich zum Opfer einer ach so repressiven Staatsgewalt stilisiert. Und eines angeblich zu Tode kommerzialisierten Kulturbetriebs. Das ist Unsinn.
Die Eigentümer sind die Dummen
Richtig ist: Hausbesetzer schaffen keine «Freiräume». Sie werden nicht dazu gezwungen, leerstehende Immobilien zu annektieren. Sie machen es einfach – im Wissen darum, dass es Jahre dauern kann, bis sie ihr «Zuhause» verlassen müssen. Die «Gisi» in Winterthur ist seit 1997 besetzt. «Praktisch» für die Bewohner ist das allemal: Sie zahlen zwar für Wasser und Strom, aber keine Miete.
Und selbst jetzt, da die Eigentümerin die Geduld verloren hat und den Besetzern nach einer allerletzten Frist mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs droht, dürften bis zu einer Zwangsräumung Monate vergehen. Die Behörden hätten «verhältnismässig» vorzugehen, erst recht nach einer langen Zeit, heisst es in solchen Fällen immer wieder.
Die Stadt Zürich etwa ist stolz auf ihren «pragmatischen Umgang» mit Hausbesetzungen, wie eine Antwort des Stadtrats auf einen Vorstoss der SVP zeigt. Konkret heisst das: Geräumt wird nur, wenn – neben einer Strafanzeige – eine Abbruch-, eine Baubewilligung oder ein Mietvertrag für Dritte vorliegt oder aber erhebliche Sicherheitsbedenken bestehen. Zyniker mögen einwenden, dass beim Merkblatt Hausbesetzungen des Sicherheitsdepartements der Grünen Karin Rykart einzig folgende Weisung vergessengegangen sei: «In Zürich sind Besetzer herzlich willkommen!»
Verklärung der Linken
Allein, wo bleibt die Empörung? Besetzte Liegenschaften sind nicht durchweg mit «Brutstätten linker Gewalt» gleichzusetzen, wie dies die Stadtzürcher SVP gewohnt alarmistisch tut. Aktivistische Träumereien mit Fäusten und roten Sternen auf Hausfassaden und Transparenten machen noch keine Revolution.
Wesentlich ist etwas anderes: Hausbesetzer werden mit Samthandschuhen angefasst. Besetzte Orte wie die alte Post in Wipkingen werden als «Bereicherung» des Kulturlebens verklärt. Vergleiche mit einem gelungenen Beispiel – der Roten Fabrik in Zürich Wollishofen – sind schnell zur Hand, auch wenn sie hinken. Man gewöhnt sich an die verschmierten Gebäude. Man findet sie irgendwie cool, weil sie aus dem Rahmen des gepützelten Mainstreams fallen und für «Vielfalt» stehen. Und für Spektakel und Skandale.
Als die Polizei bei der (reibungslosen) Räumung des Zürcher Wohlgroth-Areals 1993 per Helikopter einfiel, wähnte man sich in Hollywood. Als ruchbar wurde, dass die Söhne des damaligen Polizeivorstehers Richard Wolff auf dem Koch-Areal verkehrten, musste der Stadtrat der AL 2016 in den Ausstand treten und das Dossier abgeben. Bei der Zentralwäscherei in Zürich forcierte die Stadt eine Zwischennutzung, weil sie einer Besetzung des verlassenen Industrieareals zuvorkommen wollte.
All das rechtfertigt noch lange nicht die schwache Position, in der sich die Eigentümer solcher Liegenschaften mitunter befinden. Bei der «Gisi» in Winterthur ist das eine Stiftung, die sich um die Besitztümer des verstorbenen Immobilienmoguls Bruno Stefanini kümmert. Sie hat bereits 2023 kommuniziert, was sie an der General-Guisan-Strasse zu tun gedenkt. In dem Haus sollen günstige Wohnungen entstehen: etwas, was auch die Besetzer verlangen – und gleichzeitig verhindern, man glaubt es kaum.
Der Zeitplan des Projekts ist ungewiss. Es sei sehr aufwendig, das eigene Recht durchzusetzen. Ohne entsprechende Ressourcen könne man sich das gar nicht leisten, sagte die Verwalterin der Stiftung diese Woche zur NZZ.
Seit Anfang Juli können Immobilienbesitzer leichter zur Selbsthilfe schreiten – sofern sie schnell genug reagieren, nachdem ihre Liegenschaft besetzt worden ist. Und sie können vor Gericht eine Zwangsräumung erwirken, auch gegen unbekannte Personen. So will es eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das reicht nicht. Der Gesetzgeber müsste viel mehr tun, um die Interessen der Eigentümer zu schützen. Die Schweiz – und damit auch Zürich und Winterthur – sollte sich von ihrer besetzerfreundlichen Politik verabschieden.
Heruntergekommene Fassade, Zeichen der Subkultur in Winterthur.
Claudio Thoma / Keystone
Quelle: www.nzz.ch
