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Immopreise ziehen an

Frank Meierhofer ist Immobilienexperte bei Swiss Life. Er weiss, wieso Immobilien immer teurer werden.

KEYSTONE

Die Preise für Wohneigentum in der Schweiz ziehen wieder an. Immobilienexperte Frank Meierhofer sieht dafür vor allem zwei Gründe: das tiefe Zinsniveau und den knappen Wohnraum. Wer ohnehin kaufen wolle, solle deshalb nicht zu lange warten.

Darum geht’s

  • Die Immobilienpreise in der Schweiz ziehen wieder an.
  • Tiefe Hypothekarzinsen und zu wenig Wohnraum treiben die Nachfrage.
  • Immobilienexperte Frank Meierhofer hält Käufe bis Ende 2026 für attraktiv, weil die Zinsen 2027 wieder steigen könnten.
  • Banken prüfen Finanzierungen zugleich strenger.
  • Besonders teuer bleiben Regionen wie Zürich, Zug, Schwyz und Genf.
  • Entlastung könnte laut Meierhofer vor allem durch mehr und dichteres Bauen entstehen.
Zusammenfassung erstellt mit

Noch ein Zimmer für die Kinder. Ein kleiner Garten. Vielleicht endlich keine Miete mehr, die Monat für Monat vom Konto verschwindet. Wer in der Schweiz mit einem Eigenheim liebäugelt, dürfte derzeit allerdings zweimal auf den Preis schauen. Denn nachdem zuletzt noch von einer Abkühlung am Immobilienmarkt die Rede war, zeigen die Preise bereits wieder nach oben.

Für Frank Meierhofer, Immobilienexperte bei Swiss Life, ist das nicht überraschend. «Es gibt verschiedene Faktoren, die da mitspielen», sagt er im Gespräch mit blue News. Einer davon sei das aktuell äusserst tiefe Zinsniveau. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihren Leitzins derzeit bei 0 Prozent. Bis jetzt scheint also der Kauf einer Immobilie und die Hypotheken attraktiv. Doch das könnte sich bald ändern, heisst es vom Experten.

Meierhofer geht davon aus, dass dieses Zeitfenster nicht ewig offenbleibt. Für das erste Quartal 2027 erwartet er noch ein unverändertes Zinsumfeld, danach hält er einen Anstieg um 0,25 Prozentpunkte für möglich. Das ist allerdings seine persönliche Prognose. Die SNB selbst hat im September keinen solchen Schritt angekündigt. Ihre aktuelle Inflationsprognose basiert auf der Annahme, dass der Leitzins bei 0 Prozent bleibt.

Zu wenig Wohnraum für viel Nachfrage

Der zweite grosse Preistreiber ist laut Meierhofer ein alter Bekannter: Es gibt schlicht zu wenig Wohnraum. «In vielen Regionen wird weniger gebaut als benötigt», sagt er. Lange Bewilligungsverfahren, Einsprachen, knappes Bauland und hohe Baukosten würden neue Projekte ausbremsen.

Die Folge sei nicht nur ein knappes Angebot an Kaufobjekten. Auch bezahlbare Mietwohnungen würden rarer. Und genau das könne Menschen mit genügend Eigenkapital zusätzlich Richtung Eigentum treiben, heisst es vom Experten.

Dass Wohneigentum tatsächlich wieder teurer geworden ist, zeigen auch die offiziellen Zahlen. Der Wohnimmobilienpreisindex des Bundesamts für Statistik stieg bereits im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lagen die Preise sogar 4,7 Prozent höher. Eigentumswohnungen verteuerten sich dabei stärker als Einfamilienhäuser. Im September diesen Jahres stagnierten die Preise zwar kurzfristig, ziehen jetzt aber wieder an.

«Danach wird es einfach teurer»

Wer ohnehin konkret mit einem Kauf liebäugelt, sollte nach Ansicht Meierhofers deshalb nicht ewig warten. «Ich würde sagen, dass man bis Ende Jahr noch eine Immobilie kaufen soll, wenn man sich dafür interessiert oder Eigentum schon länger infrage kommt», sagt er. Seine Begründung: Sollten die Zinsen 2027 tatsächlich wieder steigen, werde auch die Finanzierung teurer.

Ein Freipass zum Kauf ist das allerdings nicht. Denn eine Hypothek muss man zuerst einmal bekommen. Üblicherweise finanzieren Banken bei selbst genutztem Wohneigentum bis zu 80 Prozent des Kaufpreises. Käuferinnen und Käufer müssen somit mindestens 20 Prozent Eigenmittel mitbringen. Mindestens die Hälfte davon muss aus sogenannten harten Eigenmitteln stammen und darf nicht etwa aus der Pensionskasse bezogen werden.

Und selbst wer das nötige Geld auf der Seite hat, ist noch nicht am Ziel. «Die Banken sind restriktiver geworden», beobachtet Meierhofer. Vor allem bei der sogenannten Tragbarkeit werde genauer hingeschaut. Reiche das Einkommen rechnerisch knapp nicht aus, werde heute eher eine Finanzierung abgelehnt. «Früher hat man da vielleicht noch ein Auge zugedrückt.»

Zürich, Zug und Schwyz bleiben schwierig

Die Suche nach Eigentum ist allerdings nicht überall gleich aussichtslos. Besonders anspruchsvoll sei sie weiterhin in den grossen Ballungsräumen und wirtschaftlich starken Regionen, sagt Meierhofer. Dazu zählt er Zürich und seine Agglomeration, Zug, Baar, Luzern, Schwyz und Genf.

Wer geografisch flexibel sei, habe bessere Karten. «Im Zürcher Oberland gibt es noch erschwinglichere Objekte», sagt Meierhofer. Auch in Kantonen wie Glarus oder Jura könne der Schritt zum Eigenheim deutlich realistischer sein.

Bei seinen eigenen Vermarktungen beobachtet der Immobilienexperte derzeit zudem eine auffällige Vorliebe: «Ich persönlich spüre, dass die Nachfrage nach Einfamilienhäusern stärker ist als bei Eigentumswohnungen.»

Junge Familien geraten besonders unter Druck

Doch wer kauft heute Wohneigentum? Typischerweise seien es Menschen zwischen etwa 35 und 45 Jahren, die sich aktiv nach Wohneigentum umsehen, sagt Meierhofer. Das sei wenig überraschend. In dieser Lebensphase wachse bei vielen Familien der Wunsch nach mehr Platz – vielleicht nach einem zusätzlichen Kinderzimmer oder einem Garten.

Doch genau diese Familien treffen auf einen angespannten Markt. Meierhofer bewertet die Situation auf einer Skala von eins bis zehn, wobei zehn «prekär» bedeutet, mittlerweile mit «6,5 bis 7». Regional gebe es zwar grosse Unterschiede. Besonders schwierig sei die Lage aber für junge Familien, die zuvor zwei Einkommen hatten und nach der Geburt eines Kindes zeitweise mit weniger Geld auskommen müssten.

Wer vom Eigenheim träume, solle deshalb möglichst früh anfangen, Kapital aufzubauen, rät er. «Wenn man den Wunsch hat, dann gilt natürlich: je früher, desto besser.» Ob der Kauf am Ende tatsächlich sinnvoll sei, müsse aber immer individuell betrachtet werden.

Lange Verfahren verteuern auch die Mieten

Das eigentliche Problem sieht Meierhofer nicht allein bei den Kaufpreisen. Auch Mieterinnen und Mieter bekommen die Knappheit zu spüren. Wer ein Mehrfamilienhaus baut, müsse heute hohe Grundstücks- und Baukosten tragen und teilweise lange auf Bewilligungen warten. Dazu kämen Einsprachen und strengere Vorschriften.

Diese Verzögerungen kosten Geld. Ein Teil der zusätzlichen Kosten lande deshalb früher oder später bei den Mieten. «Der Bauentwickler will schlussendlich ja auch noch etwas an der Immobilie verdienen», sagt Meierhofer.

Für eine nachhaltige Entspannung sieht er vor allem einen Weg: mehr bauen – und den vorhandenen Boden besser nutzen. «Wir haben eine Bodenknappheit, wir müssen verdichteter bauen.» Werden Umzonungen ermöglicht und Bewilligungsverfahren beschleunigt, könnte sich der Preisdruck zumindest abschwächen.


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