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Grundbuch-Recherche Teil 13

Pensionskassen besitzen knapp zehn Prozent der Stadtzürcher Wohnfläche. Wer sind sie und welche Vorsorgeinstitution zieht am meisten Rendite aus dem Zürcher Wohnraum? Teil 1 der Recherche zu Pensionskassen auf dem Zürcher Immobilienmarkt.

Ein Zehntel der Zürcher Wohnfläche gehört Vorsorgeinstitutionen. (Bild: Mai Hubacher)

«Appetit auf Beton» – so beschreibt der marktliberale Think-Tank Avenir Suisse das Phänomen, das sich in den letzten 20 Jahren auf dem Schweizer Immobilienmarkt ausgebreitet hat. Pensionskassen investieren ihr Geld immer häufiger in Immobilien.

Der Grund ist simpel: Aktien sind riskant, Obligationen in Tiefzinszeiten unergiebig, Immobilien aber liefern stabile Einnahmen und steigenden Wert.

Von 2008 bis 2020 hat sich der Wert des Immobilienvermögens aller Vorsorgeeinrichtungen des Landes von 99 auf 213 Milliarden mehr als verdoppelt. Das besagen Zahlen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Was allerdings fehlt, sind Zahlen zum Gesamtanteil von Pensionskassen, kurz PK, am Schweizer Immobilienmarkt.

«Tsüri.ch» und das «WAV» Recherchekollektiv werten derzeit das Grundbuch der Stadt Zürich aus.

Die Daten zeigen: Pensionskassen halten knapp zehn Prozent der Stadtzürcher Wohnfläche.

Viel Wohneigentum, hohe Mieteinnahmen

Knapp acht Prozent der Wohnfläche sind direkt im Besitz der Vorsorgeeinrichtungen. Weitere ein bis zwei Prozent werden ebenfalls durch Pensionskassen gesteuert und zwar indem sie in Immobilienfonds von Dritten investieren.

Erneut verunmöglicht die Intransparenz der globalen Finanzwelt eine klare Aussage: Die Betreiber:innen dieser Fonds weisen den Pensionskassenanteil nicht aus, weshalb eine genauere Angabe nicht möglich ist.

Aber: Die städtische Mietpreiserhebung ermöglicht eine Aussage darüber, wie viel sie schätzungsweise damit verdienen.

Die Top Ten Pensionskassen und Anlagestiftungen

  • BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
    Wohnfläche: 143’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 3’598’650 
  • Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse
    Wohnfläche: 122’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 3’033’443
  • Zürich Versicherungs-Gesellschaft (Anlagestiftungen)
    Wohnfläche: 105’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’855’412
  • Pensimo (Anlagestiftungen)
    Wohnfläche: 103’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’666’661
  • Zürcher Kantonalbank (Anlagestiftungen)
    Wohnfläche: 97’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’531’375
  • AXA Versicherungen (Anlagestiftungen und Anteil Zürich Freilager AG)
    Wohnfläche: 89’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’362’583
  • Pensionskasse Rheinmetall*
    Wohnfläche: 90’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’193’660
  • UBS AG (Anlagestiftungen)
    Wohnfläche: 74’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’065’975 
  • Pensionskasse der Credit Suisse Group (Schweiz)**
    Wohnfläche: 66’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 1’659’628
  • Pensionskasse der UBS
    Wohnfläche: 61’000 m²
    Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 1’557’058

    *abweichende Angaben der PK sind nachfolgend ausgeführt
    **nach der Integration der CS in die UBS bleibt die Credit Suisse als Pensionskasse
    bestehen, passt per 2027 aber das Vorsorgemodell jener der UBS an.

    Die grösste direkte Immobilienbesitzerin unter den Pensionskassen in Zürich ist die BVK, die Personalvorsorge der Kantonsangestellten. Sie besitzt 143’000 Quadratmeter Wohnfläche. Damit könnte sie gemäss städtischer Mietpreiserhebung monatliche Mieteinnahmen von 3,6 Millionen Franken erwirtschaften. 

    Anfragen zur entsprechenden Rendite, zum durchschnittlichen Mietpreis einer 3-Zimmer-Wohnung in Zürich oder zum Anteil gemeinnütziger Wohnungen, lässt die BVK unbeantwortet. Stattdessen hält sie fest, dass Pensionskassen gesetzlich dazu verpflichtet seien, das ihnen anvertraute Geld zu marktkonformer Rendite anzulegen.

    Hält am meisten Wohnraum in der Stadt Zürich: die BVK. (Bild: Mai Hubacher)

    Dieselben Fragen wurden auch der Migros-Pensionskasse geschickt, die mit rund 122’000 Quadratmetern Wohnfläche als zweitgrösste Pensionskasse nur knapp hinter der BVK liegt. 

    Die Migros-Pensionskasse gibt an, dass ihre durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung mit 1457 Franken Nettomiete leicht unter der mittleren Nettomiete in der Stadt Zürich liegt. Diese betrage 1578 Franken pro Monat. Vergleichsbasis ist die städtische Mietpreiserhebung von 2024. Die PK begründet die Differenz mit teils langjährigen Mietverhältnissen. 

    Dennoch erwirtschaftete sie mit sechs Prozent Immobilienrendite mehr Gewinn aus Immobilien, als der Durchschnitt der Vorsorgeeinrichtungen. Die hohe Rendite erklärt die PK nicht nur mit Mieterträgen, sondern auch mit einer Aufwertung der Immobilien. Diese Aufwertung habe über alle Immobilien gleichermassen stattgefunden, also auch über jene in Zürich.  

    Immo-Gigantin UBS spielt auch bei PK mit

    Wie immer, wenn es um Wohnraum in der Stadt Zürich geht, kommt man um eine Akteurin nicht herum: die UBS, die grösste kommerzielle Eigentümerin von Wohnfläche.

    Während auch die Pensionskassen der UBS und Credit Suisse (CS) wichtige Player:innen am Zürcher Wohnungsmarkt sind, kommt der vereinten Grossbank im Bereich der Pensionskassen zusätzlich eine besondere Rolle als «Vermittlerin» zu. 

    Wenn es um Wohnraum geht, taucht die UBS auf. (Bild: Mai Hubacher)

    Viele Kassen investieren einen Teil ihrer Immobilienanlagen über Fonds. Und in der Stadt Zürich verwaltet die Grossbank zwei Drittel der von Immobilienfonds gehaltenen Wohnfläche.

    Die Grundbuchdaten zeigen, dass UBS-Immobilienfonds fast 400’000 Quadratmeter Wohnfläche in Zürich verwalten. Die städtische Mietpreiserhebung ergibt, dass damit monatliche Mietzinseinnahmen von 10 Millionen Franken möglich sind.

    Wie gross der Pensionskassenanteil an Immobilienfonds ist, bleibt jedoch unklar. Wissen tut das wohl einzig die UBS und die äussert sich auf Anfrage nicht dazu. Selbst vonseiten der Finma heisst es, ihr fehlten die Daten zum Pensionskassenanteil in Immobilienfonds.

    Kein gemeinnütziger Wohnbau

    Da Pensionskassen rund zehn Prozent des Zürcher Wohnraums steuern, stellt sich die Frage, welche Rolle sie beim Ermöglichen von bezahlbarem Wohnraum einnehmen. 

    Um die Renten der städtischen Mitarbeiter:innen zu decken, setzt die PKZH auf Wohnraum. (Bild: Mai Hubacher)

    Nicht aufgeführt in den Grundbuch-Daten ist die Stadtzürcher Pensionskasse, kurz PKZH, welche die Vorsorgegelder der städtischen Angestellten verwaltet. Der Grund: Sie besitzt selbst keine Immobilien, sondern investiert indirekt vor allem über Anlagestiftungen wie Pensimo in Wohnfläche.

    Per Gesetz ist es Pensionskassen verboten, gemeinnützigen Wohnraum zu betreiben, schreibt die Medienstelle der PKZH. Denn ein bewusster Renditeverzicht sei für Pensionskassen nicht zulässig.

    Hier tut sich ein Clinch mit dem Drittelsziel auf, denn: Die Stadt hat vom Stimmvolk die Aufgabe erhalten, ein Drittel gemeinnützigen Wohnraum zu ermöglichen.

    Ihren Antworten zufolge gleicht die PKZH diesen Widerspruch aus durch Investments in die auf bezahlbaren Wohnraum ausgerichtete Anlagestiftung Adimora oder durch die Vergabe von Hypotheken an gemeinnützige Wohnbauträger:innen. Über 400 Millionen Franken vergebe sie so zu tragbaren Zinsen, insbesondere an Genossenschaften. Möglich sei das durch eine Verlustdeckungsgarantie der Stadt Zürich.

    Gemäss PKZH liegen die Mieten bei ihren Stadtzürcher 3-Zimmer-Wohnungen im Schnitt bei einem Mietzins «von grob geschätzt 2000 Franken». Dadurch sei die Hälfte der von ihr indirekt gehaltenen Wohnungen «bezahlbar». Die Pensionskasse verweist dabei auf SOSDA, einen Anbieter von Kennzahlen für sozial nachhaltige Immobilienportfolios. Dieser sieht bezahlbaren Wohnraum in der Stadt Zürich bei 2000 Franken für eine 3-Zimmer-Wohnung.

    Wir fassen zusammen: Pensionskassen bestimmen über rund zehn Prozent des Stadtzürcher Wohnraums.

    Was bedeutet das für die Zürcher Mieter:innen? Und warum taucht die Rheinmetall in der Liste der grössten Pensionskassen auf? Dazu die Fortsetzung der Recherche.

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    Olivier Christe ist Finanz- und Klimajournalist beim Recherchekollektiv WAV. Dort leitet er das Pensionskassen-Transparenzprojekt «1000 Milliarden Verantwortung». Auf Grundlage des Öffentlichkeitsprinzips verlangt dieses die Investitionen von öffentlichen Schweizer Pensionskassen und publiziert sie zusammen mit Lokalmedien. Bevor Olivier 2024 zu WAV stiess, arbeitete er viele Jahre als freier Journalist und war Redaktor des Klimapodcasts Treibhaus.

    Balz Oertli ist Journalist beim und Mitgründer des WAV Recherchekollektivs. Davor arbeitete er beim SRF. Balz liebt es, kritisch Fragen zu stellen und tief zu schürfen, hat aber auch gelernt, genau zuzuhören als Rechtsberater beim Solidaritätsnetz Bern und als Detention Associate beim IKRK in Genf. Er studierte Sozialanthropologie, Arabisch und Politikwissenschaften.

    Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft, Masterabschluss an der Universität Basel. Praktikum beim SRF Kassensturz, während des Studiums Journalistin bei der Zürichsee-Zeitung. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem SNF-Forschungsprojekt zu Innovation im Lokaljournalismus. Von 2021 bis 2025 Co-Geschäftsführerin von We.Publish. Seit 2023 Redaktorin bei Tsüri.ch und heute Mitglied der Geschäftsleitung.

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    Grundbuch-Recherche Teil 13

    Pensionskassen besitzen knapp zehn Prozent der Stadtzürcher Wohnfläche. Wer sind sie und welche Vorsorgeinstitution zieht am meisten Rendite aus dem Zürcher Wohnraum? Teil 1 der Recherche zu Pensionskassen auf dem Zürcher Immobilienmarkt.

    Ein Zehntel der Zürcher Wohnfläche gehört Vorsorgeinstitutionen. (Bild: Mai Hubacher)

    «Appetit auf Beton» – so beschreibt der marktliberale Think-Tank Avenir Suisse das Phänomen, das sich in den letzten 20 Jahren auf dem Schweizer Immobilienmarkt ausgebreitet hat. Pensionskassen investieren ihr Geld immer häufiger in Immobilien.

    Der Grund ist simpel: Aktien sind riskant, Obligationen in Tiefzinszeiten unergiebig, Immobilien aber liefern stabile Einnahmen und steigenden Wert.

    Von 2008 bis 2020 hat sich der Wert des Immobilienvermögens aller Vorsorgeeinrichtungen des Landes von 99 auf 213 Milliarden mehr als verdoppelt. Das besagen Zahlen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Was allerdings fehlt, sind Zahlen zum Gesamtanteil von Pensionskassen, kurz PK, am Schweizer Immobilienmarkt.

    «Tsüri.ch» und das «WAV» Recherchekollektiv werten derzeit das Grundbuch der Stadt Zürich aus.

    Die Daten zeigen: Pensionskassen halten knapp zehn Prozent der Stadtzürcher Wohnfläche.

    Viel Wohneigentum, hohe Mieteinnahmen

    Knapp acht Prozent der Wohnfläche sind direkt im Besitz der Vorsorgeeinrichtungen. Weitere ein bis zwei Prozent werden ebenfalls durch Pensionskassen gesteuert und zwar indem sie in Immobilienfonds von Dritten investieren.

    Erneut verunmöglicht die Intransparenz der globalen Finanzwelt eine klare Aussage: Die Betreiber:innen dieser Fonds weisen den Pensionskassenanteil nicht aus, weshalb eine genauere Angabe nicht möglich ist.

    Aber: Die städtische Mietpreiserhebung ermöglicht eine Aussage darüber, wie viel sie schätzungsweise damit verdienen.

    Die Top Ten Pensionskassen und Anlagestiftungen

    • BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
      Wohnfläche: 143’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 3’598’650 
    • Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse
      Wohnfläche: 122’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 3’033’443
    • Zürich Versicherungs-Gesellschaft (Anlagestiftungen)
      Wohnfläche: 105’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’855’412
    • Pensimo (Anlagestiftungen)
      Wohnfläche: 103’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’666’661
    • Zürcher Kantonalbank (Anlagestiftungen)
      Wohnfläche: 97’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’531’375
    • AXA Versicherungen (Anlagestiftungen und Anteil Zürich Freilager AG)
      Wohnfläche: 89’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’362’583
    • Pensionskasse Rheinmetall*
      Wohnfläche: 90’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’193’660
    • UBS AG (Anlagestiftungen)
      Wohnfläche: 74’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 2’065’975 
    • Pensionskasse der Credit Suisse Group (Schweiz)**
      Wohnfläche: 66’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 1’659’628
    • Pensionskasse der UBS
      Wohnfläche: 61’000 m²
      Geschätzte monatliche Mieteinnahmen: CHF 1’557’058

      *abweichende Angaben der PK sind nachfolgend ausgeführt
      **nach der Integration der CS in die UBS bleibt die Credit Suisse als Pensionskasse
      bestehen, passt per 2027 aber das Vorsorgemodell jener der UBS an.

      Die grösste direkte Immobilienbesitzerin unter den Pensionskassen in Zürich ist die BVK, die Personalvorsorge der Kantonsangestellten. Sie besitzt 143’000 Quadratmeter Wohnfläche. Damit könnte sie gemäss städtischer Mietpreiserhebung monatliche Mieteinnahmen von 3,6 Millionen Franken erwirtschaften. 

      Anfragen zur entsprechenden Rendite, zum durchschnittlichen Mietpreis einer 3-Zimmer-Wohnung in Zürich oder zum Anteil gemeinnütziger Wohnungen, lässt die BVK unbeantwortet. Stattdessen hält sie fest, dass Pensionskassen gesetzlich dazu verpflichtet seien, das ihnen anvertraute Geld zu marktkonformer Rendite anzulegen.

      Hält am meisten Wohnraum in der Stadt Zürich: die BVK. (Bild: Mai Hubacher)

      Dieselben Fragen wurden auch der Migros-Pensionskasse geschickt, die mit rund 122’000 Quadratmetern Wohnfläche als zweitgrösste Pensionskasse nur knapp hinter der BVK liegt. 

      Die Migros-Pensionskasse gibt an, dass ihre durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung mit 1457 Franken Nettomiete leicht unter der mittleren Nettomiete in der Stadt Zürich liegt. Diese betrage 1578 Franken pro Monat. Vergleichsbasis ist die städtische Mietpreiserhebung von 2024. Die PK begründet die Differenz mit teils langjährigen Mietverhältnissen. 

      Dennoch erwirtschaftete sie mit sechs Prozent Immobilienrendite mehr Gewinn aus Immobilien, als der Durchschnitt der Vorsorgeeinrichtungen. Die hohe Rendite erklärt die PK nicht nur mit Mieterträgen, sondern auch mit einer Aufwertung der Immobilien. Diese Aufwertung habe über alle Immobilien gleichermassen stattgefunden, also auch über jene in Zürich.  

      Immo-Gigantin UBS spielt auch bei PK mit

      Wie immer, wenn es um Wohnraum in der Stadt Zürich geht, kommt man um eine Akteurin nicht herum: die UBS, die grösste kommerzielle Eigentümerin von Wohnfläche.

      Während auch die Pensionskassen der UBS und Credit Suisse (CS) wichtige Player:innen am Zürcher Wohnungsmarkt sind, kommt der vereinten Grossbank im Bereich der Pensionskassen zusätzlich eine besondere Rolle als «Vermittlerin» zu. 

      Wenn es um Wohnraum geht, taucht die UBS auf. (Bild: Mai Hubacher)

      Viele Kassen investieren einen Teil ihrer Immobilienanlagen über Fonds. Und in der Stadt Zürich verwaltet die Grossbank zwei Drittel der von Immobilienfonds gehaltenen Wohnfläche.

      Die Grundbuchdaten zeigen, dass UBS-Immobilienfonds fast 400’000 Quadratmeter Wohnfläche in Zürich verwalten. Die städtische Mietpreiserhebung ergibt, dass damit monatliche Mietzinseinnahmen von 10 Millionen Franken möglich sind.

      Wie gross der Pensionskassenanteil an Immobilienfonds ist, bleibt jedoch unklar. Wissen tut das wohl einzig die UBS und die äussert sich auf Anfrage nicht dazu. Selbst vonseiten der Finma heisst es, ihr fehlten die Daten zum Pensionskassenanteil in Immobilienfonds.

      Kein gemeinnütziger Wohnbau

      Da Pensionskassen rund zehn Prozent des Zürcher Wohnraums steuern, stellt sich die Frage, welche Rolle sie beim Ermöglichen von bezahlbarem Wohnraum einnehmen. 

      Um die Renten der städtischen Mitarbeiter:innen zu decken, setzt die PKZH auf Wohnraum. (Bild: Mai Hubacher)

      Nicht aufgeführt in den Grundbuch-Daten ist die Stadtzürcher Pensionskasse, kurz PKZH, welche die Vorsorgegelder der städtischen Angestellten verwaltet. Der Grund: Sie besitzt selbst keine Immobilien, sondern investiert indirekt vor allem über Anlagestiftungen wie Pensimo in Wohnfläche.

      Per Gesetz ist es Pensionskassen verboten, gemeinnützigen Wohnraum zu betreiben, schreibt die Medienstelle der PKZH. Denn ein bewusster Renditeverzicht sei für Pensionskassen nicht zulässig.

      Hier tut sich ein Clinch mit dem Drittelsziel auf, denn: Die Stadt hat vom Stimmvolk die Aufgabe erhalten, ein Drittel gemeinnützigen Wohnraum zu ermöglichen.

      Ihren Antworten zufolge gleicht die PKZH diesen Widerspruch aus durch Investments in die auf bezahlbaren Wohnraum ausgerichtete Anlagestiftung Adimora oder durch die Vergabe von Hypotheken an gemeinnützige Wohnbauträger:innen. Über 400 Millionen Franken vergebe sie so zu tragbaren Zinsen, insbesondere an Genossenschaften. Möglich sei das durch eine Verlustdeckungsgarantie der Stadt Zürich.

      Gemäss PKZH liegen die Mieten bei ihren Stadtzürcher 3-Zimmer-Wohnungen im Schnitt bei einem Mietzins «von grob geschätzt 2000 Franken». Dadurch sei die Hälfte der von ihr indirekt gehaltenen Wohnungen «bezahlbar». Die Pensionskasse verweist dabei auf SOSDA, einen Anbieter von Kennzahlen für sozial nachhaltige Immobilienportfolios. Dieser sieht bezahlbaren Wohnraum in der Stadt Zürich bei 2000 Franken für eine 3-Zimmer-Wohnung.

      Wir fassen zusammen: Pensionskassen bestimmen über rund zehn Prozent des Stadtzürcher Wohnraums.

      Was bedeutet das für die Zürcher Mieter:innen? Und warum taucht die Rheinmetall in der Liste der grössten Pensionskassen auf? Dazu die Fortsetzung der Recherche.

      WAV ist ein Recherchekollektiv aus Zürich. WAV recherchiert unabhängig, kooperiert mit Medien in der ganzen Schweiz und macht investigativen Journalismus für alle zugänglich. Du willst wissen, was WAV als Nächstes aufdeckt? Abonniere den Newsletter.

      Ohne Deine Unterstützung geht es nicht.

      Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen.

      Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein.

      Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 3341 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt.

      Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3700 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!

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      Olivier Christe ist Finanz- und Klimajournalist beim Recherchekollektiv WAV. Dort leitet er das Pensionskassen-Transparenzprojekt «1000 Milliarden Verantwortung». Auf Grundlage des Öffentlichkeitsprinzips verlangt dieses die Investitionen von öffentlichen Schweizer Pensionskassen und publiziert sie zusammen mit Lokalmedien. Bevor Olivier 2024 zu WAV stiess, arbeitete er viele Jahre als freier Journalist und war Redaktor des Klimapodcasts Treibhaus.

      Balz Oertli ist Journalist beim und Mitgründer des WAV Recherchekollektivs. Davor arbeitete er beim SRF. Balz liebt es, kritisch Fragen zu stellen und tief zu schürfen, hat aber auch gelernt, genau zuzuhören als Rechtsberater beim Solidaritätsnetz Bern und als Detention Associate beim IKRK in Genf. Er studierte Sozialanthropologie, Arabisch und Politikwissenschaften.

      Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft, Masterabschluss an der Universität Basel. Praktikum beim SRF Kassensturz, während des Studiums Journalistin bei der Zürichsee-Zeitung. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem SNF-Forschungsprojekt zu Innovation im Lokaljournalismus. Von 2021 bis 2025 Co-Geschäftsführerin von We.Publish. Seit 2023 Redaktorin bei Tsüri.ch und heute Mitglied der Geschäftsleitung.

      Quelle: tsri.ch