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Die 400 Jahre alte Grosserle in Vitznau. Die Bauvisiere lassen erahnen, wie gross und hoch die geplanten Blöcke sein werden.Bild: Dominik Wunderli
Ein deutscher Immobilienkonzern will mitten in Vitznau Luxuswohnungen bauen. In dessen Schweizer Verwaltungsrat sitzt alt Bundesrat Ueli Maurer. Das sorgt für Kritik – auch, weil seine Partei ausländische Immobilienkäufe bremsen will.
22.08.2026, 17:0222.08.2026, 17:02
Einst zierte sie Postkarten, nun droht der 400 Jahre alten Grosserle in Vitznau der Abriss. Das Bauernhaus am Vierwaldstättersee soll zwei sechsgeschossigen Blöcken mit insgesamt 27 Eigentumswohnungen weichen. Seit wenigen Tagen liegt das Baugesuch öffentlich auf – und erhitzt im Luzerner Dorf die Gemüter.
Josef Kosak wohnt seit bald 25 Jahren in Vitznau, er ist als direkter Nachbar besonders betroffen vom Vorhaben: «Ich fühle mich sehr eingeengt durch den geplanten Neubau», sagt er. Werden die Blöcke gebaut, wird er weder den Kirchturm sehen noch die Schweizerflagge, die hoch über dem Dorf am Fels prangt. Sondern eine 18 Meter hohe Wand vor der Nase haben. «Uns droht der komplette Verlust der Privatsphäre.» Niemand habe etwas dagegen, dass gebaut werde, betont Kosak – aber solche «Kolosse» mitten im alten Dorfkern? «Ich habe schlaflose Nächte», sagt er.
«Ueli Maurer hat mich enttäuscht.»
Schlaflose Nächte hat auch Eric Gauthier. Der Ur-Vitznauer wuchs in Paris auf, verbrachte aber jeden Sommer seiner Kindheit beim Grossvater, der im ersten Stock der Grosserle wohnte. «Ich kenne jede Treppenstufe, jeden Kratzer in den Fensterläden.» Vor einem Monat konnte er noch einmal ins Haus, um sich zu verabschieden. Da seien Tränen geflossen. «Was hier passiert, ist eine Schande», findet er.
Ueli Maurer sitzt im Verwaltungsrat
Hinter dem Bauprojekt steckt die Schultheiß Holding Schweiz AG mit Sitz in Obwalden. Schon das scharfe S im Namen macht deutlich, dass es sich nicht um ein hiesiges Baugeschäft handelt. Sondern um den Ableger eines grossen Immobilienunternehmens aus dem süddeutschen Nürnberg.
Alt Bundesrat Ueli Maurer, hier an der SVP-Delegiertenversammlung 2022 in Reconvilier BE, sitzt im Verwaltungsrat der Schultheiß Holding Schweiz AG.Bild: keystone
Im Verwaltungsrat sitzt alt SVP-Bundesrat Ueli Maurer, was den Unmut in Vitznau noch vergrössert. «Ueli Maurer hat mich enttäuscht», sagt Heidi Meier, die seit ihrer Heirat vor 60 Jahren im Dorf lebt. Auch sie sei nicht gegen das Bauen an sich, und «es muss auch nicht immer ein Chalet sein». Aber dass man fast jedes Chalet abreisst, um einen Block zu bauen, schmerzt sie. «So dominante Häuser in diesem historischen Dorfkern, das geht doch einfach nicht!»
Auch ihre Schwiegertochter Heidi Hostettler treibt die Personalie Maurer um: «Die SVP versucht gerade, die Lex Koller zu verschärfen – und er macht hier in Vitznau genau das Gegenteil.» Tatsächlich hat SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi vor zwei Jahren einen Vorstoss eingereicht, der den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer massiv erschwert hätte – und damit auch Bauprojekte wie jenes von Schultheiß. Am Dienstag stimmte die Wirtschaftskommission des Nationalrats dem Vorstoss zu, wenn auch in abgeschwächter Form. Damit soll «der Bodenspekulation und steigenden Bodenpreisen Einhalt geboten» werden.
Firma wirbt mit «wertiger Immobilieninvestition»
Im 1500-Seelen-Dorf Vitznau muss man gar von explodierenden Bodenpreisen reden. Für die etwas über 1100 Quadratmeter an der Luzerner Riviera soll Schultheiß rund fünf Millionen Franken bezahlt haben. Die Familie des ehemaligen Besitzers hätte das Haus gern an die nächste Generation weitergegeben. Aber mit einem solchen Angebot habe man einfach nicht mithalten können.
Dass auf einem so teuren Stück Land bezahlbarer Wohnraum entsteht, ist nicht anzunehmen. Auf seiner Website wirbt Schultheiß denn auch mit «Wohlfühlimmobilien für den gehobenen Geschmack», «erlesener Qualität» und der «Sicherheit einer stabilen und wertigen Immobilieninvestition». In Vitznau ist die Rede von zwei bis vier Millionen Franken für die 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen.
So stellt die Visualisierung im Baugesuch die geplanten Blöcke dar.Bild: Schultheiß Holding Schweiz AG
«Alles wird verbaut, aber uns nützt das nichts», sagt Jenny Wetter, 27, zweifache Mutter, aufgewachsen in Vitznau und immer noch hier lebend. «Wer kann sich diese 2-Millionen-Eigentumswohnungen leisten? Einheimische sicher nicht, und schon gar nicht Familien.» Sie hätte sich gewünscht, der Käufer würde das Grosserlen so umbauen, dass vier günstige Wohnungen darin entstehen.
Doch das bleibt wohl ein Traum. Gemäss Gemeindepräsident Herbert Imbach sind in Vitznau derzeit 67 Eigentumswohnungen sowie 30 Mietwohnungen im Bau oder rechtskräftig bewilligt. Lediglich 16 Mietwohnungen davon werden von der lokalen Baugenossenschaft erstellt.
«Der Investor ist für Vitznau ein Goldjunge, er bringt vermögende Leute ins Dorf.»
Begonnen hat der Vitznauer Bauboom mit dem Zuzug von Peter Pühringer, einem der reichsten Österreicher und Besitzer des Parkhotels Vitznau. Er renovierte nicht nur das Nobelhotel, sondern baute weitere Hotels, eine Klinik, einen goldenen Kammermusiksaal, ein Forschungsinstitut. Und er schenkte der Gemeinde 2011 fünf Millionen Franken – im Gegenzug für eine Steuersenkung. Vor allem dank dieser sei das Interesse an Immobilien markant gestiegen. «Der Investor ist für Vitznau ein Goldjunge, er bringt vermögende Leute ins Dorf», liess sich damals eine Immobilienmaklerin in der WOZ zitieren.
Und so lärmen auch jetzt an jeder Ecke Baumaschinen, kündigen Visiere zusätzlichen Baulärm an. Selbst die Stararchitekten Herzog & de Meuron bauen in Vitznau. Fast überall entstehen «hochwertige Eigentumswohnungen».
Zentrum habe «erhebliche Nutzungsreserven»
An der Überbauung Grosserlen entzündet sich nun besonders heftiger Widerstand. Es wird Einsprachen geben, auch von einer Petition ist die Rede. Auf mindestens 400 Jahre wird das Haus mit der Holzfassade geschätzt. Unter Denkmalschutz steht es nicht, es gilt auch nicht als schützens- oder erhaltenswert. Warum nicht, versteht hier niemand.
Der kantonale Denkmalpfleger Sebastian Geisseler erklärt, für eine Aufnahme ins Bauinventar sei nicht allein das Alter eines Gebäudes ausschlaggebend: «Beim Haus Grosserle haben zahlreiche bauliche Eingriffe zu einem erheblichen Verlust an originaler Substanz und ursprünglicher Gestaltung geführt», sagt er. Daher sei der «für eine Einstufung im Bauinventar erforderliche Authentizitätswert» nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund habe man schon 2013 auf eine Aufnahme ins Bauinventar der Gemeinde Vitznau verzichtet.
«Ein ‹Blocknau› wird niemand mehr fotografieren wollen.»
Das Haus liegt jedoch in der Dorfkernzone, für die das Baureglement vorsieht, dass sich Neubauten gut in das Orts- und Landschaftsbild einfügen müssen. In ihrem Masterplan Entwicklung hat die Gemeinde 2024 zusätzlich verankert, dass genau die Gassenstruktur um das Grosserlen als identitätsstiftendes Merkmal erhalten und aufgewertet werden soll.
Gemeindepräsident Herbert Imbach sagt auf Anfrage, dass er sich während des laufenden Verfahrens nicht zum konkreten Projekt äussern dürfe. Er weist aber darauf hin, dass die Dorfkernzone seit Jahrzehnten über erhebliche Nutzungsreserven verfüge, die bis jetzt nicht ausgeschöpft worden seien. Gleichzeitig sei innere Verdichtung eine Vorgabe des Bundes. «Vitznau setzt dies um. Die Frage ist dabei nicht, ob, sondern wie verdichtet wird», sagt er.
Auch Grosserlen-Nachbarin Heidi Hostettler stellt die Verdichtung an sich nicht infrage. Doch sie fürchtet um die Identität des Dorfes, um ihre Heimat. Und um den Tourismus. Täglich schlenderten Gäste durch die Gässli, bewunderten die alten Häuser und hübschen Gärten. «Ein ‹Blocknau› wird niemand fotografieren wollen», prophezeit sie.
Heidi Hostettler und Josef Kosak sind direkte Nachbarn der Grosserle (im Hintergrund).Bild: Dominik Wunderli
Die geplanten Blöcke könnten der Anfang vom Ende des Dorfkerns sein. Der Familie von Christa Stark gehört das Haus Kleinerle, von der Grosserle nur durch eine schmale Gasse getrennt. Aber es steht unter Schutz. Noch. «Sollten diese Kolosse gebaut werden, beantragen wir die Aufhebung des Schutzes», so ihr Ehemann Peter Stark. Zum Wohl des Ensembles hätte seine Familie auf bestimmte Umbauten verzichtet, die möglich gewesen wären. «Ohne Grosserle macht das keinen Sinn mehr», sagt er nun. «Wenn die Gemeinde Verdichtung über alles stellt und ihr eigenes Konzept unterläuft, um reiche Steuerzahler anzuziehen, fühlen auch wir uns nicht mehr gebunden.»
Ueli Maurer hat auf eine Anfrage der «Schweiz am Wochenende» nicht reagiert. (schweizheute.ch)
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Die 400 Jahre alte Grosserle in Vitznau. Die Bauvisiere lassen erahnen, wie gross und hoch die geplanten Blöcke sein werden.Bild: Dominik Wunderli
Ein deutscher Immobilienkonzern will mitten in Vitznau Luxuswohnungen bauen. In dessen Schweizer Verwaltungsrat sitzt alt Bundesrat Ueli Maurer. Das sorgt für Kritik – auch, weil seine Partei ausländische Immobilienkäufe bremsen will.
22.08.2026, 17:0222.08.2026, 17:02
Einst zierte sie Postkarten, nun droht der 400 Jahre alten Grosserle in Vitznau der Abriss. Das Bauernhaus am Vierwaldstättersee soll zwei sechsgeschossigen Blöcken mit insgesamt 27 Eigentumswohnungen weichen. Seit wenigen Tagen liegt das Baugesuch öffentlich auf – und erhitzt im Luzerner Dorf die Gemüter.
Josef Kosak wohnt seit bald 25 Jahren in Vitznau, er ist als direkter Nachbar besonders betroffen vom Vorhaben: «Ich fühle mich sehr eingeengt durch den geplanten Neubau», sagt er. Werden die Blöcke gebaut, wird er weder den Kirchturm sehen noch die Schweizerflagge, die hoch über dem Dorf am Fels prangt. Sondern eine 18 Meter hohe Wand vor der Nase haben. «Uns droht der komplette Verlust der Privatsphäre.» Niemand habe etwas dagegen, dass gebaut werde, betont Kosak – aber solche «Kolosse» mitten im alten Dorfkern? «Ich habe schlaflose Nächte», sagt er.
«Ueli Maurer hat mich enttäuscht.»
Schlaflose Nächte hat auch Eric Gauthier. Der Ur-Vitznauer wuchs in Paris auf, verbrachte aber jeden Sommer seiner Kindheit beim Grossvater, der im ersten Stock der Grosserle wohnte. «Ich kenne jede Treppenstufe, jeden Kratzer in den Fensterläden.» Vor einem Monat konnte er noch einmal ins Haus, um sich zu verabschieden. Da seien Tränen geflossen. «Was hier passiert, ist eine Schande», findet er.
Ueli Maurer sitzt im Verwaltungsrat
Hinter dem Bauprojekt steckt die Schultheiß Holding Schweiz AG mit Sitz in Obwalden. Schon das scharfe S im Namen macht deutlich, dass es sich nicht um ein hiesiges Baugeschäft handelt. Sondern um den Ableger eines grossen Immobilienunternehmens aus dem süddeutschen Nürnberg.
Alt Bundesrat Ueli Maurer, hier an der SVP-Delegiertenversammlung 2022 in Reconvilier BE, sitzt im Verwaltungsrat der Schultheiß Holding Schweiz AG.Bild: keystone
Im Verwaltungsrat sitzt alt SVP-Bundesrat Ueli Maurer, was den Unmut in Vitznau noch vergrössert. «Ueli Maurer hat mich enttäuscht», sagt Heidi Meier, die seit ihrer Heirat vor 60 Jahren im Dorf lebt. Auch sie sei nicht gegen das Bauen an sich, und «es muss auch nicht immer ein Chalet sein». Aber dass man fast jedes Chalet abreisst, um einen Block zu bauen, schmerzt sie. «So dominante Häuser in diesem historischen Dorfkern, das geht doch einfach nicht!»
Auch ihre Schwiegertochter Heidi Hostettler treibt die Personalie Maurer um: «Die SVP versucht gerade, die Lex Koller zu verschärfen – und er macht hier in Vitznau genau das Gegenteil.» Tatsächlich hat SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi vor zwei Jahren einen Vorstoss eingereicht, der den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer massiv erschwert hätte – und damit auch Bauprojekte wie jenes von Schultheiß. Am Dienstag stimmte die Wirtschaftskommission des Nationalrats dem Vorstoss zu, wenn auch in abgeschwächter Form. Damit soll «der Bodenspekulation und steigenden Bodenpreisen Einhalt geboten» werden.
Firma wirbt mit «wertiger Immobilieninvestition»
Im 1500-Seelen-Dorf Vitznau muss man gar von explodierenden Bodenpreisen reden. Für die etwas über 1100 Quadratmeter an der Luzerner Riviera soll Schultheiß rund fünf Millionen Franken bezahlt haben. Die Familie des ehemaligen Besitzers hätte das Haus gern an die nächste Generation weitergegeben. Aber mit einem solchen Angebot habe man einfach nicht mithalten können.
Dass auf einem so teuren Stück Land bezahlbarer Wohnraum entsteht, ist nicht anzunehmen. Auf seiner Website wirbt Schultheiß denn auch mit «Wohlfühlimmobilien für den gehobenen Geschmack», «erlesener Qualität» und der «Sicherheit einer stabilen und wertigen Immobilieninvestition». In Vitznau ist die Rede von zwei bis vier Millionen Franken für die 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen.
So stellt die Visualisierung im Baugesuch die geplanten Blöcke dar.Bild: Schultheiß Holding Schweiz AG
«Alles wird verbaut, aber uns nützt das nichts», sagt Jenny Wetter, 27, zweifache Mutter, aufgewachsen in Vitznau und immer noch hier lebend. «Wer kann sich diese 2-Millionen-Eigentumswohnungen leisten? Einheimische sicher nicht, und schon gar nicht Familien.» Sie hätte sich gewünscht, der Käufer würde das Grosserlen so umbauen, dass vier günstige Wohnungen darin entstehen.
Doch das bleibt wohl ein Traum. Gemäss Gemeindepräsident Herbert Imbach sind in Vitznau derzeit 67 Eigentumswohnungen sowie 30 Mietwohnungen im Bau oder rechtskräftig bewilligt. Lediglich 16 Mietwohnungen davon werden von der lokalen Baugenossenschaft erstellt.
«Der Investor ist für Vitznau ein Goldjunge, er bringt vermögende Leute ins Dorf.»
Begonnen hat der Vitznauer Bauboom mit dem Zuzug von Peter Pühringer, einem der reichsten Österreicher und Besitzer des Parkhotels Vitznau. Er renovierte nicht nur das Nobelhotel, sondern baute weitere Hotels, eine Klinik, einen goldenen Kammermusiksaal, ein Forschungsinstitut. Und er schenkte der Gemeinde 2011 fünf Millionen Franken – im Gegenzug für eine Steuersenkung. Vor allem dank dieser sei das Interesse an Immobilien markant gestiegen. «Der Investor ist für Vitznau ein Goldjunge, er bringt vermögende Leute ins Dorf», liess sich damals eine Immobilienmaklerin in der WOZ zitieren.
Und so lärmen auch jetzt an jeder Ecke Baumaschinen, kündigen Visiere zusätzlichen Baulärm an. Selbst die Stararchitekten Herzog & de Meuron bauen in Vitznau. Fast überall entstehen «hochwertige Eigentumswohnungen».
Zentrum habe «erhebliche Nutzungsreserven»
An der Überbauung Grosserlen entzündet sich nun besonders heftiger Widerstand. Es wird Einsprachen geben, auch von einer Petition ist die Rede. Auf mindestens 400 Jahre wird das Haus mit der Holzfassade geschätzt. Unter Denkmalschutz steht es nicht, es gilt auch nicht als schützens- oder erhaltenswert. Warum nicht, versteht hier niemand.
Der kantonale Denkmalpfleger Sebastian Geisseler erklärt, für eine Aufnahme ins Bauinventar sei nicht allein das Alter eines Gebäudes ausschlaggebend: «Beim Haus Grosserle haben zahlreiche bauliche Eingriffe zu einem erheblichen Verlust an originaler Substanz und ursprünglicher Gestaltung geführt», sagt er. Daher sei der «für eine Einstufung im Bauinventar erforderliche Authentizitätswert» nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund habe man schon 2013 auf eine Aufnahme ins Bauinventar der Gemeinde Vitznau verzichtet.
«Ein ‹Blocknau› wird niemand mehr fotografieren wollen.»
Das Haus liegt jedoch in der Dorfkernzone, für die das Baureglement vorsieht, dass sich Neubauten gut in das Orts- und Landschaftsbild einfügen müssen. In ihrem Masterplan Entwicklung hat die Gemeinde 2024 zusätzlich verankert, dass genau die Gassenstruktur um das Grosserlen als identitätsstiftendes Merkmal erhalten und aufgewertet werden soll.
Gemeindepräsident Herbert Imbach sagt auf Anfrage, dass er sich während des laufenden Verfahrens nicht zum konkreten Projekt äussern dürfe. Er weist aber darauf hin, dass die Dorfkernzone seit Jahrzehnten über erhebliche Nutzungsreserven verfüge, die bis jetzt nicht ausgeschöpft worden seien. Gleichzeitig sei innere Verdichtung eine Vorgabe des Bundes. «Vitznau setzt dies um. Die Frage ist dabei nicht, ob, sondern wie verdichtet wird», sagt er.
Auch Grosserlen-Nachbarin Heidi Hostettler stellt die Verdichtung an sich nicht infrage. Doch sie fürchtet um die Identität des Dorfes, um ihre Heimat. Und um den Tourismus. Täglich schlenderten Gäste durch die Gässli, bewunderten die alten Häuser und hübschen Gärten. «Ein ‹Blocknau› wird niemand fotografieren wollen», prophezeit sie.
Heidi Hostettler und Josef Kosak sind direkte Nachbarn der Grosserle (im Hintergrund).Bild: Dominik Wunderli
Die geplanten Blöcke könnten der Anfang vom Ende des Dorfkerns sein. Der Familie von Christa Stark gehört das Haus Kleinerle, von der Grosserle nur durch eine schmale Gasse getrennt. Aber es steht unter Schutz. Noch. «Sollten diese Kolosse gebaut werden, beantragen wir die Aufhebung des Schutzes», so ihr Ehemann Peter Stark. Zum Wohl des Ensembles hätte seine Familie auf bestimmte Umbauten verzichtet, die möglich gewesen wären. «Ohne Grosserle macht das keinen Sinn mehr», sagt er nun. «Wenn die Gemeinde Verdichtung über alles stellt und ihr eigenes Konzept unterläuft, um reiche Steuerzahler anzuziehen, fühlen auch wir uns nicht mehr gebunden.»
Ueli Maurer hat auf eine Anfrage der «Schweiz am Wochenende» nicht reagiert. (schweizheute.ch)
Quelle: www.watson.ch
