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Die Nationalbank dürfte es bald mit einer spürbar höheren Inflation zu tun haben.Bild: KEYSTONE
Der Iran-Krieg hat einen globalen Energiepreisschock ausgelöst, der zunehmend auch in der Schweiz die Hypothekarzinsen bewegt.
18.09.2026, 15:5218.09.2026, 15:52
Die Zinsen bewegen sich weltweit. In den USA stiegen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen diese Woche zwischenzeitlich auf über 5 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit 19 Jahren. Dann musste die Notenbank Fed ihren Leitzins erhöhen, obwohl US-Präsident Donald Trump vehement eine Senkung gefordert hatte. Die Fed hatte keine Wahl. Wie ihr neuer Chef, Kevin Warsh, sagte:
«Die Inflation ist zu hoch und das schon zu lange.»
Kevin Warsh, US-Notenbankchef
In der Schweiz bewegt sich alles langsamer und weniger stark, aber auch hier haben die Zinsen auf Staatsanleihen stark zugelegt. Bei den zehnjährigen Staatsanleihen ging es diese Woche hinauf bis auf 0,65 Prozent. Das ist ungefähr viermal mehr als noch im Herbst 2025, als die Schweizer Zinsen gegen null zu tendieren schienen.
Diese Wende hat auf den Hypothekenmarkt durchgeschlagen. Für zehnjährige feste Hypotheken zahlt man laut Daten des Beratungsdienstes Moneypark durchschnittlich wieder einen Zins von mehr als 2 Prozent. Verglichen mit einem Zwischentief im Dezember 2024 ist das bereits ein halber Prozentpunkt mehr.
Die Zinsen dürften in den kommenden Monaten weiter ansteigen, befeuert durch einen Entscheid der Schweizerischen Nationalbank. Bei der Bank Raiffeisen sagt Ökonom Alexander Koch: «Wir erwarten auf Jahressicht derzeit eine Leitzinserhöhung.»
Energiepreise ähnlich wie in der Krise von 2022
Danach hatte es bis vor ein paar Wochen nicht ausgesehen. Immerhin lag die Jahresinflation im Juli noch bei lediglich 0,4 Prozent – und damit weit unter den 2 Prozent, ab denen die Nationalbank hierzulande die Preisstabilität gefährdet sieht. Doch der durch Trumps Krieg gegen den Iran ausgelöste Energiepreisschock ist mittlerweile auch hierzulande keine vernachlässigbare Grösse mehr.
Heizöl kostete diese Woche fast 170 Franken pro 100 Liter – und damit nicht mehr viel weniger als in der historischen Energiekrise von 2022. Und der Preis von Diesel hat gar eine historische Rekordmarke übersprungen. Wie der Mobilitätsverbandes TCS heute per Pressemeldung mitgeteilt hat, hat der durchschnittliche Dieselpreis in der Schweiz mit 2,41 Franken pro Liter «einen historischen Höchststand erreicht» und übertreffe damit erstmals den bisherigen Rekord von 2,40 Franken aus dem Energiekrisen-Jahr 2022. «Vor dem Hintergrund des Krieges im Iran ist der Dieselpreis damit auf ein in der Schweiz noch nie erreichtes Niveau gestiegen.»
Auch der Preis für Bleifrei 95 steigt laut TCS weiter an und liege mittlerweile bei 2,10 Franken pro Liter und damit im Vergleich zum Jahresanfang bereits um 45 Rappen höher.
Hinzu kommt noch ein Effekt durch den Franken: Der starke Franken hatte hierzulande bis vor Kurzem für tiefere Importpreise gesorgt und so das gesamte Preisniveau nach unten gedrückt. Mit diesem Franken-Effekt ist es jedoch vorbei, seit der Euro stark aufgewertet hat. Im Vergleich zum Frühjahr kostet der Euro über 4 Rappen mehr. Ohne diesen Starker-Franken-Effekt hat die Schweiz mehr Inflation.
Insgesamt dürfte es die Nationalbank deshalb bald mit einer spürbar höheren Inflation zu tun haben. 2025 hatte die Schweiz noch eine Jahresinflation von gerade einmal 0,2 Prozent. Laut Raiffeisen dürfte sie künftig zumindest bei gut 1 Prozent liegen.
Hoher Dieselpreis verteuert zig Waren
Die Schweiz hat also plötzlich keine Null-Inflation mehr. Was sie ebenfalls plötzlich nicht mehr hat, ist eine schwächelnde Wirtschaft.
Noch im Juni sah es laut Prognose des Bundes nach einem dürftigen Wachstum von 0,9 Prozent aus. Doch diese Woche konnte der Bund vermelden: «Wirtschaft wächst 2026 schneller als bisher erwartet.» Nun ist es kein dürftiges Wachstum mehr, sondern ein Wachstum von 1,7 Prozent. Diese stärkere Schweizer Wirtschaft benötigt keine niedrigen Leitzinsen mehr.
Und was die Schweiz auch nicht mehr hat, ist ein übermässig attraktiver Schweizer Franken. Mit dem Euro lässt sich mehr Zins verdienen, die Leitzinsdifferenz ist so hoch wie nie. Somit hat die Nationalbank neuen Spielraum: Eine Leitzinserhöhung allein macht aus einem schwächer werdenden Franken nicht gleich wieder einen überbewerteten Franken.
Insgesamt hat sich die geldpolitische Welt für die Nationalbank also stark gewandelt. Die Schweiz hat wieder Inflation, aber längst keine übermässige. «Grosse Inflationssorgen sind nicht gerechtfertigt», sagt Raiffeisen-Ökonom Koch. Zugleich sei die aktuelle, sehr lockere Nullzinspolitik «ebenfalls nicht mehr angemessen». Also gibt es eine Leitzinswende nach oben.
Wie stark diese Wende ausfällt, bleibt abzuwarten. Aber alles in allem sieht es laut Koch derzeit nach «kleinen Leitzinserhöhungen» aus. Wie klein genau, das hängt vor allem von den Energiepreisen ab.
Wie stark steigen die Preise von Rohöl, von Benzin, Diesel oder Heizöl noch? Wie stark oder schwach überträgt sich die teure Energie auf andere Preise? Diesel beispielsweise ist auf dem Bau und im Lastwagentransport unabdingbar und wird deshalb auch als «Zugpferd der Wirtschaft» umschrieben. Ein hoher Dieselpreis kann also in der Wirtschaft an allen Ecken und Enden zu höheren Preisen führen. Um wie viel höher, lässt sich schwer abschätzen. Der Energiepreis bleibt die grosse Unbekannte. (schweizheute.ch)
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Die Nationalbank dürfte es bald mit einer spürbar höheren Inflation zu tun haben.Bild: KEYSTONE
Der Iran-Krieg hat einen globalen Energiepreisschock ausgelöst, der zunehmend auch in der Schweiz die Hypothekarzinsen bewegt.
18.09.2026, 15:5218.09.2026, 15:52
Die Zinsen bewegen sich weltweit. In den USA stiegen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen diese Woche zwischenzeitlich auf über 5 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit 19 Jahren. Dann musste die Notenbank Fed ihren Leitzins erhöhen, obwohl US-Präsident Donald Trump vehement eine Senkung gefordert hatte. Die Fed hatte keine Wahl. Wie ihr neuer Chef, Kevin Warsh, sagte:
«Die Inflation ist zu hoch und das schon zu lange.»
Kevin Warsh, US-Notenbankchef
In der Schweiz bewegt sich alles langsamer und weniger stark, aber auch hier haben die Zinsen auf Staatsanleihen stark zugelegt. Bei den zehnjährigen Staatsanleihen ging es diese Woche hinauf bis auf 0,65 Prozent. Das ist ungefähr viermal mehr als noch im Herbst 2025, als die Schweizer Zinsen gegen null zu tendieren schienen.
Diese Wende hat auf den Hypothekenmarkt durchgeschlagen. Für zehnjährige feste Hypotheken zahlt man laut Daten des Beratungsdienstes Moneypark durchschnittlich wieder einen Zins von mehr als 2 Prozent. Verglichen mit einem Zwischentief im Dezember 2024 ist das bereits ein halber Prozentpunkt mehr.
Die Zinsen dürften in den kommenden Monaten weiter ansteigen, befeuert durch einen Entscheid der Schweizerischen Nationalbank. Bei der Bank Raiffeisen sagt Ökonom Alexander Koch: «Wir erwarten auf Jahressicht derzeit eine Leitzinserhöhung.»
Energiepreise ähnlich wie in der Krise von 2022
Danach hatte es bis vor ein paar Wochen nicht ausgesehen. Immerhin lag die Jahresinflation im Juli noch bei lediglich 0,4 Prozent – und damit weit unter den 2 Prozent, ab denen die Nationalbank hierzulande die Preisstabilität gefährdet sieht. Doch der durch Trumps Krieg gegen den Iran ausgelöste Energiepreisschock ist mittlerweile auch hierzulande keine vernachlässigbare Grösse mehr.
Heizöl kostete diese Woche fast 170 Franken pro 100 Liter – und damit nicht mehr viel weniger als in der historischen Energiekrise von 2022. Und der Preis von Diesel hat gar eine historische Rekordmarke übersprungen. Wie der Mobilitätsverbandes TCS heute per Pressemeldung mitgeteilt hat, hat der durchschnittliche Dieselpreis in der Schweiz mit 2,41 Franken pro Liter «einen historischen Höchststand erreicht» und übertreffe damit erstmals den bisherigen Rekord von 2,40 Franken aus dem Energiekrisen-Jahr 2022. «Vor dem Hintergrund des Krieges im Iran ist der Dieselpreis damit auf ein in der Schweiz noch nie erreichtes Niveau gestiegen.»
Auch der Preis für Bleifrei 95 steigt laut TCS weiter an und liege mittlerweile bei 2,10 Franken pro Liter und damit im Vergleich zum Jahresanfang bereits um 45 Rappen höher.
Hinzu kommt noch ein Effekt durch den Franken: Der starke Franken hatte hierzulande bis vor Kurzem für tiefere Importpreise gesorgt und so das gesamte Preisniveau nach unten gedrückt. Mit diesem Franken-Effekt ist es jedoch vorbei, seit der Euro stark aufgewertet hat. Im Vergleich zum Frühjahr kostet der Euro über 4 Rappen mehr. Ohne diesen Starker-Franken-Effekt hat die Schweiz mehr Inflation.
Insgesamt dürfte es die Nationalbank deshalb bald mit einer spürbar höheren Inflation zu tun haben. 2025 hatte die Schweiz noch eine Jahresinflation von gerade einmal 0,2 Prozent. Laut Raiffeisen dürfte sie künftig zumindest bei gut 1 Prozent liegen.
Hoher Dieselpreis verteuert zig Waren
Die Schweiz hat also plötzlich keine Null-Inflation mehr. Was sie ebenfalls plötzlich nicht mehr hat, ist eine schwächelnde Wirtschaft.
Noch im Juni sah es laut Prognose des Bundes nach einem dürftigen Wachstum von 0,9 Prozent aus. Doch diese Woche konnte der Bund vermelden: «Wirtschaft wächst 2026 schneller als bisher erwartet.» Nun ist es kein dürftiges Wachstum mehr, sondern ein Wachstum von 1,7 Prozent. Diese stärkere Schweizer Wirtschaft benötigt keine niedrigen Leitzinsen mehr.
Und was die Schweiz auch nicht mehr hat, ist ein übermässig attraktiver Schweizer Franken. Mit dem Euro lässt sich mehr Zins verdienen, die Leitzinsdifferenz ist so hoch wie nie. Somit hat die Nationalbank neuen Spielraum: Eine Leitzinserhöhung allein macht aus einem schwächer werdenden Franken nicht gleich wieder einen überbewerteten Franken.
Insgesamt hat sich die geldpolitische Welt für die Nationalbank also stark gewandelt. Die Schweiz hat wieder Inflation, aber längst keine übermässige. «Grosse Inflationssorgen sind nicht gerechtfertigt», sagt Raiffeisen-Ökonom Koch. Zugleich sei die aktuelle, sehr lockere Nullzinspolitik «ebenfalls nicht mehr angemessen». Also gibt es eine Leitzinswende nach oben.
Wie stark diese Wende ausfällt, bleibt abzuwarten. Aber alles in allem sieht es laut Koch derzeit nach «kleinen Leitzinserhöhungen» aus. Wie klein genau, das hängt vor allem von den Energiepreisen ab.
Wie stark steigen die Preise von Rohöl, von Benzin, Diesel oder Heizöl noch? Wie stark oder schwach überträgt sich die teure Energie auf andere Preise? Diesel beispielsweise ist auf dem Bau und im Lastwagentransport unabdingbar und wird deshalb auch als «Zugpferd der Wirtschaft» umschrieben. Ein hoher Dieselpreis kann also in der Wirtschaft an allen Ecken und Enden zu höheren Preisen führen. Um wie viel höher, lässt sich schwer abschätzen. Der Energiepreis bleibt die grosse Unbekannte. (schweizheute.ch)
Quelle: www.watson.ch
